Die Evolution des menschlichen Gehirns war zweifellos der Hauptantrieb für den einzigartigen Aufstieg der Menschheit. Nicht zuletzt, weil sie dazu beitrug, den technologischen Fortschritt anzustoßen. Also immer ausgefeiltere Wege zu finden, die natürlichen Materialien und Ressourcen zum Vorteil der Menschen zu nutzen. Oded Galor fügt hinzu: „Diese Fortschritte wiederum prägten künftige evolutionäre Prozesse und ermöglichten es den Menschen, sich erfolgreich an ihre sich verändernde Umwelt anzupassen.“ Zudem erlangten sie die Fähigkeit neue Technologien zu entwickeln und zu nutzen – ein sich wiederholender und verstärkender Mechanismus, der zu immer größeren technischen Sprüngen führte. Insbesondere geht man davon aus, dass der zunehmende virtuose Umgang mit Feuer, der die frühen Menschen in die Lage versetzte, ihre Nahrung zu kochen, ein zusätzliches Wachstum des Gehirns anregt. Der renommierte Ökonom Oded Galor untersucht in seinem neuen Buch „The Journey of Humanity“ die Entwicklungen die zu Wohlstand und Ungleichheit führten.
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Passende Bücher bei Amazon findenWerkzeuge verbesserten die Überlebenschancen
Denn nun mussten die Menschen für das Kauen und Verdauen nicht mehr so viel Energie aufwenden. Sie verwerteten die Kalorien besser und es entstand freier Platz im Schädel, den zuvor Kieferknochen und Muskeln eingenommen hatten. Oded Galor vermutet: „Das könnte zu weiteren Innovationen in der Kochtechnik geführt haben, was sich wiederum im Wachstum des Gehirns niedergeschlagen haben könnte.“ Ein sich selbst verstärkender Kreislauf.
Doch das Gehirn ist nicht das einzige Organ, das den Homo sapiens von anderen Säugetieren unterscheidet – auch die menschliche Hand gehört dazu. In Verbindung mit dem menschlichen Gehirn entwickelten sich auch die Hände unter anderem in Reaktion auf die Technologie, insbesondere auf die Vorteile der Herstellung und Nutzung von Jagdwerkzeugen, Nadeln und Kochutensilien. Oded Galor ergänzt: „Vor allem als sie die menschliche Spezies die Technik zur Bearbeitung von Steinen und zur Herstellung hölzerner Speere aneignete, verbesserten sich die Überlebenschancen derjenigen, die diese Werkzeuge effizient einsetzen konnten.“
Technologische Neuerungen ermöglichten ein Bevölkerungswachstum
Oded Galor erläutert: „Bessere Jäger konnten ihre Familien zuverlässiger ernähren und somit mehr Kinder bis zum Erwachsenenalter großziehen. Die Weitergabe dieser Fähigkeiten erhöhte den Anteil kompetenter Jäger in der Bevölkerung.“ Und der Nutzen weiterer Innovationen wie stabilere Speere und – in späterer Zeit – stärkere Bögen und schärfere Pfeile, trugen zum evolutionären Vorteil dieser Jagdkompetenzen bei. Im ganzen Verlauf der Geschichte bildeten sich positive Rückkopplungsschleifen ähnlicher Art heraus.
Umweltveränderungen und technologische Neuerungen ermöglichten ein Bevölkerungswachstum und bewirkten die Anpassung der Menschen an ihren sich verändernden Lebensraum und ihre neuen Werkzeuge. Oded Galor stellt fest: „Diese Anpassungen wiederum verbesserten unsere Fähigkeit, in die Umwelt gestaltend einzugreifen und neue Technologien zu ersinnen.“ Dieser Zyklus ist von zentraler Bedeutung dafür, wie man die Reise der Menschheit zu verstehen hat und das Rätsel des Wachstums lösen kann. Quelle: „The Journey of Humanity“ von Oded Galor
Von Hans Klumbies
