Jeremy Bentham entwickelt den Utilitarismus

Wichtig und einflussreich waren Jeremy Benthams (1748 – 1832) Überlegungen auf dem Gebiet der Moral oder Ethik. Die Theorie, die er entwickelte, wurde bekannt unter dem Namen „Utilitarismus“. Nigel Warburton erklärt: „Sie besagt, dass wir dann das Richtige tun, wenn dies das höchste Glück hervorbringt. Das ist das Prinzip des maximalen Glücks.“ Obwohl Jeremy Bentham nicht der Erste war, der die Moral so verstand, war er der Erste, der im Detail erklärte, wie diese Ansicht in der Praxis umgesetzt werden könnte. Er wollte die englischen Gesetze reformieren, damit sie ein Maximum an Glück hervorbrächten. Auf die Frage nach dem Glück geben verschiedene Menschen die unterschiedlichsten Antworten. Der Philosoph Nigel Warburton ist Dozent an der Open University. Er gibt außerdem Kurse über Kunst und Philosophie am Tate Modern Museum.

Die Lust ist einzig und allein gut an sich

Auf die Frage „Was ist Glück?“ hatte Jeremy Bentham eine klare Antwort: „Es geht darum, wie man sich fühlt. Glück ist die Anwesenheit von Lustempfindung und die Abwesenheit von Schmerz. Je mehr Lust und je weniger Schmerz, desto mehr Glück.“ Jeremy Bentham hatte ein sehr einfaches Bild vom Menschen. Lust und Schmerz sind die beiden entscheidenden Motive, die alle menschlichen Handlungen auslösen und bestimmen. Menschen suchen lustvolle Erfahrungen und meiden schmerzhafte. Die Lust ist das Einzige, was gut an sich ist.

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Menschen wünschen sich gewisse Dinge, weil sie glauben, dass sie ihnen Lust bereiten oder ihnen helfen, Schmerzen zu vermeiden. Jeremy Bentham war überzeugt, dass Vergnügen quantifiziert und verschiedene Vergnügungen mit einem Maß und gleichen Einheiten bemessen werden konnten. Er bezeichnete diese Methode zur Bewertung des Glücks als „Lustkalkül“. Nigel Warburton erklärt, wie das funktioniert: „Wir müssen als Erstes herausfinden, wie viel Vergnügen eine bestimmte Handlung und bereiten wird.“

Jeremy Bentham legt den Glückswert einer Handlung fest

Nigel Warburton fährt fort: „Dann müssen wir berücksichtigen, wie lange das Vergnügen anhalten wird, wie intensiv es ist, wie wahrscheinlich es ist, dass es zu weiteren Vergnügungen führen wird. Dann ziehen wir alle Einheiten vom Scherz ab, die durch unsere Handlungen verursacht werden könnten.“ Schließlich bleibt der „Glückswert“ der Handlung übrig. Jeremy Bentham ging es um die Nützlichkeit und Zweckmäßigkeit der Handlung, denn je mehr Vergnügen eine Handlung hervorbringt, desto nützlicher ist sie für die Gesellschaft.

Wenn man die Nützlichkeit einer Handlung mit den Bewertungen anderer möglichen Handlungen vergleicht, kann man nun eine auswählen, die am meisten Glück bringt. Wie das Vergnügen erzeugt wird, spielt laut Jeremy Bentham keine Rolle. Der Utilitarismus ist eine sehr radikale Theorie. Radikal ist sie, weil sie bei der Bewertung des Glücks das Glück eines jeden gleich zählt. Nach Jeremy Benthams Worten geht es um „das größtmögliche Glück für die größtmögliche Zahl von Menschen“. Niemand darf bevorzugt werden. Quelle: „Die kürzeste Geschichte der Philosophie“ von Nigel Warburton

Von Hans Klumbies