Niall Ferguson prophezeit den Niedergang des Westens

Die westlichen Demokratien sind laut Niall Ferguson nur noch deshalb stabil, weil sie enorme Staatsschulden zu Lasten der nachfolgenden Generationen angehäuft haben. In seinem Buch „Der Niedergang des Westens“ beschreibt der Historiker wie die Märkte unter einer Überregulierung leiden und der Rechtsstaat in einem Paragraphendickicht erstickt, der vom Normalbürger in den allerwenigsten Fällen noch zu durchschauen ist. Niall Ferguson vertritt die These, dass einst diktatorische Regime Asiens und der sogenannten Dritten Welt, unter dem Druck der Globalisierung den Ausbau rechtsstaatlicher Strukturen betreiben, während der Westen verfällt. Zudem öffnen die aufstrebenden Länder ihre Märkte und bewegen sich auf eine Zivilgesellschaft nach westlichem Muster zu. Niall Ferguson ist Professor für Neuere Geschichte an der Harvard University mit dem Schwerpunkt Finanz- und Wirtschaftsgeschichte sowie Senior Research Fellow an der Oxford University.

Stagnation als auch Wachstum sind von Gesetzen und Institutionen abhängig

Für Niall Ferguson ist der Wirtschaftsliberalismus der Gegenwart nur noch ein ramponierter Markenname, während die Vertreter des Staatskapitalismus in China und anderswo offen die westliche Demokratie verhöhnen. Bestenfalls stagniert der Westen nur noch, und zwar nicht nur ökonomisch. Das Buch „Niedergang des Westens“ geht von der Erkenntnis von Adam Smith aus, dass sowohl die Stagnation als auch das Wachstum zum großen Teil von Gesetzen und Institutionen abhängen. Die große Rezession ist für Niall Ferguson die Folge der Degeneration staatlichen Behörden und Gesetzgebung.

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Niall Ferguson nennt vier Komponenten, die für einen funktionierende Zivilisation notwendig sind: Demokratie, Kapitalismus, Rechtsstaat und Zivilgesellschaft. Er zeigt, dass diese Voraussetzungen höchst komplexe Ansammlungen von Institutionen in den jeweiligen Bereichen Politik, Wirtschaft, Recht und Gesellschaft sind. Diese Institutionen sorgen dafür, dass der Staatsapparat funktioniert. In den Institutionen organisieren sich die Menschen als Gruppen. Institutionen haben Grenzen und vor allem haben sie Regeln.

Die Regulierung in den westlichen Staaten ist dysfunktional geworden

Gemäß Adam Smith kommen Länder zum Stillstand, wenn ihre Gesetze und Einrichtungen so weit degeneriert sind, dass Wirtschaft und Politik von elitärer Besitzstandswahrung beherrscht wird. Niall Ferguson legt in seinem Buch „Der Niedergang des Westens“ detailliert dar, dass dies heute in bedeutenden Teilen der westlichen Welt der Fall ist. Die Regulierung in den westlichen Staaten ist so dysfunktional geworden, dass sie die Fragilität des Systems erhöht. Er fügt hinzu: „Rechtsanwälte, die in dynamischen Gesellschaften Revolutionäre sein könnten, werden im Westen zu Parasiten.“

Der Staat, der Markt, das Recht und die Zivilgesellschaft, die erstaunlich gut funktionierten, da jede Gruppe von Institutionen die anderen Gruppen ergänzte und stärkte, waren der Grund für den westlichen Erfolg im 18., 19. und 20. Jahrhundert. In der Gegenwart sind diese Institutionen allerdings aus den Fugen geraten. Die Aufgabe der Menschen im Westen wird es in den kommenden Jahren sein, sie wiederherzustellen und die große Degeneration umzukehren. Nur so können die Grundprinzipien einer wahrhaft freien Gesellschaft wieder zum Tragen gebracht werden.  

Der Niedergang des Westens
Wie Institutionen verfallen und Ökonomien sterben
Niall Ferguson
Verlag: Propyläen
Gebundene Ausgabe: 201 Seiten, Auflage 2: 2013
ISBN: 978-3-549-07442-8,  18,00 Euro
Von Hans Klumbies