Das Buch „Aufbruch“ von Stefan Klein nimmt den Widerstand gegen Veränderung ernst. Es betrachtet ihn weniger als eine Folge besonderer Umstände, sondern vielmehr unserer zutiefst widersprüchlichen Natur. Stefan Klein ergänzt: „Einerseits ist Neugier einer der stärksten Antriebe des Menschen, andererseits lehnen wir Neues instinktiv ab. Einerseits sehen wir uns nach einem besseren Leben, andererseits wollen wir unsere private Welt bewahren.“ Es ist keine Besonderheit unserer Zeit, dass Menschen keine Veränderung wollen. Auch frühere Generationen standen Neuem ablehnend, allenfalls zwiespältig gegenüber. Doch zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte sind die globalen Lebensgrundlagen bedroht. Die Frage, wie viel Veränderung uns angenehm wäre, stellt sich nicht mehr. Sie kommt so oder so. Stefan Klein zählt zu den erfolgreichsten Wissenschaftsautoren der deutschen Sprache. Er studierte Physik und analytische Philosophie in München, Grenoble und Freiburg.
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Passende Bücher bei Amazon findenGesellschaften sind sehr wohl zum Aufbruch fähig
Da hilft es weder, die Umstände noch die menschliche Unvernunft zu beklagen. Ebenso müssen alle Bemühungen fehlschlagen, der Trägheit mit guten Worten, Mahnungen oder Zwang entgegenzuwirken. Stefan Klein erklärt: „Solange diese die menschliche Natur übergehen, verstärken sie eher den Widerstand. Die Erfahrungen der Umweltbewegung, auch all derer, die sich für eine gerechtere Welt einsetzen oder auch nur ihre eigene Organisation auf einen neuen Weg bringen wollen, sind bitter.“
Die meisten sind gescheitert, weil sie die Bereitschaft zu Veränderung falsch eingeschätzt haben. Dabei sind Gesellschaften sehr wohl zum Aufbruch fähig. Niemand erwartete noch ein Jahr vor dem Ereignis den Fall der Berliner Mauer. Stefan Klein fügt hinzu: „Und immer wieder haben sich Menschen von jahrtausenden alten Sitten befreit und begonnen, anders zu leben – von der Abschaffung der Sklaverei über die Einigung Europas bis hin zur Gleichstellung der Geschlechter und sexuellen Orientierungen.“
Menschenmöglich ist sogar weltweite Kooperation
Keiner dieser Umbrüche ist vollendet. Aber sie alle haben in kurzer Zeit erreicht, was vorher undenkbar erschien. Menschenmöglich ist sogar weltweite Kooperation. Stefan Klein nennt Beispiele: „Eine gemeinsame Anstrengung aller Nationen hat Aids zurückgedrängt und eine der tödlichsten Seuchen, die Pocken, für immer besiegt. Das Protokoll von Montreal rettete die Ozonschicht der Erde, die in den 1980er Jahren vor dem Zusammenbruch stand.“ Leicht vergisst man diese Erfolge, weil man sie schon als selbstverständlich ansieht. Sie sind es nicht.
Wie kann der heute nötige Aufbruch gelingen? Wir blockieren uns selbst. Der einzige Weg ist also, dass wir uns selbst und andere besser verstehen. Stefan Klein betont: „Veränderung setzt voraus, dass wir lernen, einander zuzuhören und einander ernst zu nehmen.“ Können wir herausfinden, welche Ängste uns und unsere Mitmenschen lähmen, welche Illusionen uns schwächen, und wie wir uns manipulieren lassen? Nur wer die Fallen kennt, die wir Menschen uns selbst stellen, kann sie vermeiden. Quelle: „Aufbruch“ von Stefan Klein
Von Hans Klumbies
