Neue Technologien sorgen für mehr Komfort und Bequemlichkeit

Christian Uhle stellt fest: „Die Hoffnung, durch neue Technologien mehr Komfort, Bequemlichkeit und Freizeit zu gewinnen, ist nicht erst durch die Digitalisierung in die Welt gekommen. Im Gegenteil, seit jeher sind die meisten Technologien mit dieser Hoffnung verbunden: Egal ob Auto, Gaszeitung oder Pürierstab – immer geht es darum, effizienter, bequemer und schneller zum Ziel zu kommen.“ Allein durch die Waschmaschine sparen wir irrsinnig viel Zeit und Aufwand. Während bei einem Haushalt von vier Personen wöchentlich circa fünf Stunden für die Handwäsche benötigt werden, sind es mit einer Waschmaschine nur eine Stunde. Damit werden etwa 220 Stunden im Jahr gespart. Hinzu kommen all die weiteren Haushaltsgeräte. Wenn wir über Digitalisierung und Künstliche Intelligenz nachdenken, dann ist es hilfreich, sich diese grundlegenden Eigenschaften von Technik bewusst zu machen. Der Philosoph Christian Uhle hat als Wissenschaftler zu gesellschaftlichen und technologischen Transformationen geforscht.

Technik verspricht Einfachheit und Zeitersparnis

Was ist Technik überhaupt? Und warum entwickeln wir sie? Der spanische Philosoph José Ortega y Gasset stellte die Versprechen von Einfachheit und Zeitersparnis in den Mittelpunkt seiner Definition: „Technik ist die Anstrengung, um Anstrengung zu ersparen.“ Die mit digitalen Innovationen verknüpften Botschaften eines angenehmeren Lebens sind kein kleiner Nebenaspekt, sondern hängen unmittelbar damit zusammen, was Technik im Kern ausmacht.

Es ist hilfreich, aktuelle Innovationen in einem größeren Zusammenhang zu sehen. Christian Uhle erklärt: „Seit der Homo sapiens auf dieser Erde ist, benutzt er Werkzeuge und entwickelt Techniken, um seine Ziele effektiver zu erreichen. Lange bevor es Computer und bequeme Sofas gab, erleichterte es ein spitzer Stein, einen Kochen aufzubrechen, um an das nährstoffreiche Mark zu gelangen.“ Ohne technische Hilfsmittel ist dies unmöglich oder zumindest sehr anstrengend.

Der Homo sapiens braucht die Technik zum nackten Überleben

Sich das Leben an dieser Stelle einfacher zu machen, ist weder Faulheit noch Luxussucht, sondern eine Frage des nackten Überlebens. Die Anstrengung, dem Menschen Anstrengung zu ersparen bedeutet also nicht unbedingt verwöhnte Bequemlichkeit. Christian Uhle erläutert: „Der grundsätzliche Ansatz, die Welt um sich herum durch Technik unter Kontrolle zu bekommen, ist für ein zerbrechliches Lebewesen wie den Homo sapiens geradezu notwendig.“

Trotzdem bleibt die Frage, was die Technik mit uns macht – und ob es unbegrenzt wünschenswert ist, sich Anstrengung zu ersparen. Christian Uhle stellt folgende Fragen: „Gehört es nicht auch zu einem sinnerfüllten Leben, manche Dinge selbst zu tun? Spüren wir in kleinen Anstrengungen nicht auch unsere eigene Lebendigkeit?“ Auf gesellschaftlicher Ebene wirft all das ebenfalls zahlreiche Fragen auf: Welche Strukturen kommen in den Versprechen eines einfacheren Lebens zum Ausdruck? Wie prägt das wiederum die Menschen? Quelle: „Künstliche Intelligenz und echtes Leben“ von Christian Uhle

Von Hans Klumbies