Menschen wollen einfach, dass die Straßen sicher sind und sie sich frei auf ihnen bewegen können. Ned O ´ Gorman erklärt: „Öffentliche Sicherheit ist ein gutes Beispiel für ein Gemeingut, weil sie durch Kooperation verwirklicht werden kann und für alle da ist.“ Natürlich basieren sie auf einer Infrastruktur anderer Gemeingüter: gute Gehwege, ausreichende Straßenbeleuchtung, Ampeln, saubere Luft, nicht zu viel Lärm, freundliche Menschen, angemessene, aber nicht übertriebene Polizeipräsenz und die Freiheit von Rassismus oder anderen Formen der Belästigung. In Städten mit diesen Eigenschaften kann Politik die Kunst sein, durch die Bündnisse zum Erreichen dieser Ziele geformt wurden. In Städten, die diese Eigenschaften nicht haben, ist Politik die Kunst, durch die sie erreicht werden könnten. Ned O ´ Gorman ist Professor für Kommunikationswissenschaften an der University of Illinois.
Ein Weg zur öffentlichen Sicherheit führt über die Polizei
Natürlich gibt es auch antipolitische Mittel zum Erreichen öffentlicher Sicherheit. Ned O ´ Gorman erläutert: „Erstens ist sie käuflich. In den Vereinigten Staaten haben sich viele Menschen damit abgefunden, Sicherheit – oder wenigstens das entsprechende Gefühl – zu kaufen.“ Umzäunte Wohnanlagen, abgelegene Vororte, Golfclubs und Resorts für Rentner verkaufen Sicherheit. Viele Stadträte in den USA fungieren de facto wie Vorstände von Golfclubs: Mit baurechtlichen Regularien versuchen sie, „unerwünschte“ Leute fernzuhalten und den wohlhabenden Bewohnern ein gutes Gefühl zu geben.
Der zweite Weg zur öffentlichen Sicherheit führt über die Polizei. In Überwachungsstaaten wie Singapur sind die Straßen sicher. Ned O ´ Gorman vermutet: „Wenn Sicherheit das oberste Gebot und gutnachbarliches Verhalten nachrangig ist, lebt man vielleicht gern unter einer Regierung, die ihre Bürger mit maximaler Autorität überwacht.“ Der Unterschied zwischen einer umzäunten Wohnanlage in den USA und den sicheren Straßen Singapurs ist nur graduell.
Der Gang zum Supermarkt erhält Arbeitsplätze
Beide erlangen ihre Sicherheit durch die Priorisierung von Überwachung und Polizeipräsenz, und beide stellen gutnachbarschaftliches Verhalten, Gemeinschaft und aktive Bürgerbeteiligung hinten an. Ned O ´ Gorman fügt hinzu: „Manche Menschen stört es nicht, wenn Sicherheit mit derart autoritären Methoden erlangt wird. Der Zweck heiligt die Mittel. Aus der Sicht von Menschen, die sich für Politik einsetzen, ist das Problem dieser Methode doch allzu deutlich: Die Mittel, mit denen wir Zwecke erreichen, sind für unsere Lebensqualität oft genauso entscheidend wie die Zwecke selbst.“
Der Einkauf im Supermarkt nebenan unterscheidet sich von der Online-Bestellung mit Lieferung bis an die Tür. Die zweite Option bietet vielleicht größere Auswahl, bessere Preise und spart Zeit. Ned O ´ Gorman betont: „Doch bei der Entscheidung für die eine oder andere Form des Einkaufs geht es nicht nur um Effizienz, sondern auch um Gemeinschaft.“ Der Gang zum Supermarkt hilft, Arbeitsplätze zu erhalten. Vielleicht begegnet man einem alten Freund oder muss sich von der einstigen Chefin verstecken. Quelle: „Politik für alle“ von Ned O ´ Gorman
Von Hans Klumbies
