Ein Unternehmer muss seine Haut aufs Spiel setzen

Unternehmer sind in kapitalistischen Gesellschaften oftmals Helden, manchmal auch Versager. Doch aufgrund von Förderungen und gängigen Risikomechanismen setzen viele Leute, die fälschlich für Unternehmer gehalten werden, nicht wirklich ihre Haut aufs Spiel. Nassim Nicholas Taleb erläutert: „Ihr Ziel besteht entweder darin abzukassieren, indem sie die Firma weiterverkaufen, die sie mitbegründet haben, oder an die Börse zu gehen und Aktien auszugeben.“ Der wahre Wert eines Unternehmens, was es macht und sein langfristiges Überleben spielen für sie kaum eine Rolle. Es geht lediglich um ein Finanzierungsprogramm. Identifizieren kann man diese Leute ganz einfach aufgrund ihrer Fähigkeit, einen überzeugenden Businessplan zu entwerfen. Nassim Nicholas Taleb ist Finanzmathematiker, philosophischer Essayist, Forscher in den Bereichen Risiko und Zufall sowie einer der unkonventionellsten Denker der Gegenwart.

Herstellung und Verkauf sind zwei grundverschiedene Dinge

Gesellschaften jenseits des Unternehmerstatus fangen an zu verfaulen. Einer der Gründe, warum Unternehmen die Lebenserwartung von Krebspatienten haben, ist die Festsetzung zeitlich definierter Aufgaben. Ein Merksatz von Nassim Nicholas Taleb lautet: „Die Fähigkeit, Dinge herzustellen, ist etwas anderes als die Fähigkeit, Dinge zu verkaufen.“ Produkte oder Firmen, die den Namen des Besitzers tragen, vermitteln wertvolle Botschaften. Sie machen überdeutlich, dass hier wirklich etwas auf dem Spiel steht und dass sie etwas zu verlieren haben.

Die Nennung des Namens verweist sowohl auf ein persönliches Engagement für die Firma als auch Vertrauen in das Produkt. Viele reiche Leute, die in die USA einwandern, sehen davon ab, Bürger des Landes zu werden, obwohl sie dauerhaft dort leben. Sie haben einen ständigen Wohnsitz als kostenlose Option – sie haben ein Recht, mit dem allerdings keine Verpflichtung verbunden ist, denn sie können es mit nur geringem Aufwand wieder zurückgeben. Fragt man sie, warum sie nicht die amerikanische Staatsbürgerschaft annehmen, lautet die typische Antwort: Steuern.

Gekaufte Staatsangehörigkeit gehört verboten

Als amerikanischer Staatsbürger muss man auf sein Einkommen, egal woher es kommt, Steuern zahlen, auch dann, wenn man im Ausland lebt. Andere westliche Länder wie Frankreich und England befreien ihre Bürger von Steuern, wenn sie sich in irgendwelchen Steueroasen niederlassen. Das veranlasst gewisse Leute dazu, sich mittels Investments eine Staatsangehörigkeit zu „kaufen“, ohne dass sie im betreffenden Land wirklich ansässig wären. Solche Gutwetter-Freunde sollte ein Land nicht tolerieren.

Nassim Nicholas Taleb kritisiert: „Es ist anstößig, eine Nationalität zu besitzen, ohne seine Haut aufs Spiel zu setzen: einfach nur, um reisen und Ländergrenzen überschreiten zu können, ohne auch die Nachteile in Kauf zu nehmen, die mit einem Reisepass verbunden sind.“ Wer weniger Steuer zahlen will, und das wollen bestimmt viele Menschen, ist verpflichtet, dafür zu kämpfen, sowohl für sich selbst als auch für das Kollektiv – und nicht wegzulaufen. Quelle: „Das Risiko und sein Preis“ von Nassim Nicholas Taleb

Von Hans Klumbies

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