Milliarden von Menschen leben in bitterster Armut

Dass täglich etwa 50.000 Menschen an armutsbedingten Krankheiten sterben, bezeichnet der Philosoph Thomas Pogge als Massenmord. 300 Millionen Armutstote habe es seit dem Ende des Kalten Krieges gegeben. Die Bürger der reichen Länder seien an diesem Verbrechen mitschuldig. Thomas Pogge lehrt in Yale als Leitner-Stiftungsprofessor Philosophie und internationale Angelegenheiten. Der 1953 geborene Deutsche lebt seit fast dreißig Jahren in den USA. Zu seinen Vordenkern zählt er Immanuel Kant, der einer der Ersten war, der Recht und Gerechtigkeit kosmopolitisch verstanden hat. Von Immanuel Kant stammt der Ausspruch, dass eine Rechtsverletzung an einem Platz der Erde, an allen Plätzen der Welt gefühlt wird.

Die Armut in der Welt nimmt weiter zu

Thomas Pogge erklärt, dass 2,6 Milliarden Menschen, das sind fast 40 Prozent der Weltbevölkerung täglich mit weniger als zwei Dollar auskommen müssen. 884 Millionen Menschen hätten keinen Zugang zu reinem Wasser. Zwei Milliarden Menschen bekämen keine Medikamente, wenn sie krank sind. Die globale Ungleichheit steige unerbittlich. Obwohl das Durchschnittseinkommen der Weltbevölkerung wachse, nehme die Armut weiter zu.

Armut heißt für den deutschen Philosophen Krankheit, Analphabetismus und der ständige Kampf ums nackte Überleben. Ungestraft dürfen die Rechte der Habenichtse ignoriert werden, weil diese für einen Aufstand zu schwach seien. Um ihre Gewinne zu maximieren hielten die nationalen und globalen Eliten Milliarden von Menschen in Armut und setzten sie Hunger und Infektionskrankheiten, Kinderarbeit und Prostitution, Menschenhandel und Tod aus.

Kein Erdenbürger bräuchte zu hungern

Thomas Pogge rechnet vor, dass den Menschen, die mit weniger als zwei Dollar am Tag leben müssen, im Jahr gerade einmal 300 Milliarden Dollar fehlen würden, damit sie nicht mehr unterhalb der Armutsgrenze leben müssten. Obwohl sich die Summe ungeheuerlich hoch anhört, entspricht sie gerade einmal 0,6 Prozent des Welteinkommens. Thomas Pogge möchte das Geld allerdings nicht umverteilen, sondern das Markt- und Institutionengefüge so ändern, dass die Ärmsten der Armen davon profitieren.

Die Welt ist, laut Thomas Pogge, reich genug, um ihre größte Schande, den Hunger abzuschaffen. Im Jahr 2000 besaß das oberste Zehntel der Menschheit 85 Prozent des weltweiten Reichtums und das unterste Zehntel nur 0,03 Prozent. Das ist ein Verhältnis von 2.836 zu 1. Thomas Pogge beschäftigt sich nicht nur mit der philosophischen Theorie, sondern ist vor allem auch ein Mann der Praxis. Sei neuestes Projekt ist der „Health Impact Fund“.

Die Philosophie ist die Liebe zur Weisheit

Wenn es sich in Tat umsetzen ließe, wäre es ein kleiner Schritt für die Pharmaindustrie, aber ein großer Schritt für die Menschheit. Bislang sind Arzneimittel für die Armen unerschwinglich, weil die Arzneimittelhersteller sich ihre Medikamente patentieren lassen und sie zum optimalen Monopolpreis verkaufen. Thomas Pogge schlägt vor, dass die Pharmafirmen ihre Produkte überall auf der Welt zum niedrigstmöglichen Preis verkaufen sollten.

Im Gegenzug bekämen sie von „Health Impact Fund“ zehn Jahre lang eine Prämie, die der Minderung der globalen Krankheitslast entspricht. Die Philosophie ist für Thomas Pogge die Liebe zur Weisheit und weise sein, heißt vor allem zu verstehen, was wichtig ist. Viele Philosophen verwechselten das mit der Frage, was für uns wichtig sei, was aber nur einem Teil der Wahrheit entspreche.

Es komme darauf an, den Narrenstatus des Philosophen zu nutzen und zu sagen, was andere Wissenschaftler niemals sagen dürften. So mächtig und selbstgerecht die globalen Eliten und so schwach und furchtsam die Masse der Armen auch sein mögen – Unrecht bleibt immer Unrecht. Den Einwand, dass die Gerechtigkeit die Feindin des Lebens sei, lässt Thomas Pogge nicht gelten, denn damit sei noch jede Sauerei gerechtfertigt worden. Er vertritt die Gegenthese, dass ein Mensch sein Glück nur genießen könne, wenn er es nicht auf Kosten anderer tut.

Von Hans Klumbies

Ein Gedanke zu „Milliarden von Menschen leben in bitterster Armut

  • 30. August 2010 um 08:25
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    leider ist armut bis heute ein schwerwiegendes thema. auch wenn sie in den milleniumsziele verankert sind und die nur bis 2015 umgesetzt werden sollen

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