Johannes Kepler vermisst den Himmel

Kurz nachdem sich Johannes Kepler in Böhmen niedergelassen hatte, bot sich dem jungen Wissenschaftler eine unverhoffte Chance. Tycho Brahe starb unerwartet im Alter von vierundfünfzig Jahren. Maria Popova erklärt: „Zwei Tage später wurde Johannes Kepler zu seinem Nachfolger als kaiserlicher Mathematiker ernannt und erbte all seine Aufzeichnungen.“ Auf diese sollte er sich in hohem Maße stützen, als er in den kommenden Jahren seine drei Gesetze der Planetenbewegungen entwickelte. Diese revolutionierten das menschliche Verständnis des Universums. Johannes Kepler ging davon aus, dass eine einzige Kraft die Gestirne bewegte. Er fragte sich, ob es möglich war, nachzuweisen, dass die Himmelsmaschine ein Uhrwerk ist. Die Bulgarin Maria Popova ist eine in den USA wohnhafte Autorin, Intellektuelle und Kritikerin. Sie ist bekannt als Gründerin der Online-Plattform Brain Pickings.

Johannes Kepler denkt das Unvorstellbare

Für Johannes Kepler waren die Planeten Zahnräder, welche die Sonne durch eine physische Kraft in Rotation versetzte. Nachdem er sich zweiundzwanzig Jahre lang intensive mit seiner Materie beschäftigt hat, entdeckt er die proportionale Verbindung zwischen den Umlaufzeiten der Planeten und den Längen der Achsen ihrer Bahnen. Damit ist es erstmals möglich, die Entfernung der Planeten von der Sonne zu berechnen. Man kann also den Himmel vermessen, zu einer Zeit, in der man glaubt, außer dem eigenen Sonnensystem existiere nichts anderes.

Johannes Kepler wusste, dass sich das Feld der Möglichkeiten ausdehnt, wenn man das Unvorstellbare denkt und es anschließend durch systematische Anstrengung verwirklicht. Die menschliche Vorstellungskraft gleicht einer Münze mit ihren zwei Seiten. Mittels der Phantasie füllt der Mensch die beunruhigenden Lücken des Unbekannten. Er verwirklicht dies mit den beruhigenden Gewissheiten von Mythos und Aberglaube. Dies kann sich sogar in den Glauben an Magie und Zauberei verkehren.

Johannes Kepler berechnet die Umlaufbahn des Mars

Dies geschieht manchmal dann, wenn der gesunde Menschenverstand und die Vernunft keine Kausalitäten erkennen können. Doch dieselbe Phantasie bringt einen Menschen auch dazu, sich über allgemein akzeptierte Tatsachen zu erheben und über die Grenzen des durch Brauch und Konvention als machbar Betrachteten hinauszugehen. Dann greift er nach neuen Gipfeln bisher ungeahnter Wahrheit. Wie die Münze fällt, hängt vom Ausmaß des Mutes ab, der andererseits von einer unberechenbaren Kombination aus Natur, Kultur und Charakter bestimmt wird.

Mit Hilfe seines mathematischen Genies und seines tieferen Verständnisses der zugrunde liegenden Kraft würde Isaac Newton die drei Kepler`schen Gesetze zu seinem Gravitationsgesetz verfeinern. Zu seiner Zeit gehörte Johannes Kepler zu den bekanntesten Wissenschaftlern der Welt. Seine rigorose Treue zu Beobachtungsdaten ging mit einer regen Vorstellungskraft einher. Auf der Basis von Tycho Brahes Daten mühte sich Johannes Kepler über ein Jahrzehnt lang in mehr als siebzig gescheiterten Versuchen ab, bis er endlich die Umlaufbahn des Mars berechnet hat. Diese wurde zum Maßstab für die Vermessung des Himmels. Quelle: „Findungen“ von Maria Popova

Von Hans Klumbies

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