Armin Falk glaubt, die Spannung zwischen Moral und Ehrgeiz ist vielen von uns vertraut, und oft können wir der Versuchung zu brillieren nicht widerstehen: „Etwa in der Wissenschaft immer dann, wenn Forschung mit potenziell schädlichen Folgen betrieben wird oder derartige Folgen ausgeblendet werden.“ Oder nehmen wir die vielen Fälle, wo Manipulationen der Daten oder die Verletzung wissenschaftlicher Standards erfolgten mit dem Ziel, ruhmreiche Publikationen vorzuweisen und Karrieren zu begründen. Ein eindrucksvolles Beispiel ist der Fall des niederländischen Sozialpsychologen Diederik Stapel. Im Zuge seiner steilen wissenschaftlichen Karriere nahm er 2006 eine Professur an der Universität Tilburg an, baute dort sein eigenes Labor auf und wurde schließlich Dekan der dortigen School of Social und Behavioral Sciences. Armin Falk leitet das Institut für Verhaltensökonomik und Ungleichheit (briq). Außerdem ist er Direktor des Labors für Experimentelle Wirtschaftsforschung sowie Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bonn.
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Passende Bücher bei Amazon findenDiederik Stapels Daten wiesen zahlreiche Ungereimtheiten auf
Bis dahin hatte er bereits 20 Doktoranden persönlich betreut und mit ihnen gemeinsam wissenschaftliche Arbeiten publiziert. Armin Falk weiß: „Seine Studien behandelten häufig besonders spannende, kontroverse und eingängige Themen, die auch in der Öffentlichkeit für viel Aufsehen sorgten, etwa Fremdenfeindlichkeit, Mobbing, Vorurteile oder den Schlankheitswahn.“ Während die Forschungsergebnisse viel zitiert und von den Medien dankbar aufgegriffen wurde, begannen Co-Autoren und Mitarbeiter an der Korrektheit der Daten zu zweifeln.
Doch keiner wollte es sich mit dem prominenten Forscher und amtierenden Dekan verscherzen. Im 2010 vertraute sich dann doch einer von Stapels Doktoranden einem anderen Professor an, der sich auch schon gewundert hatte, wie augenscheinlich jedes einzelne von Stapels Experimenten großartige Daten produzierte. Armin Falk ergänzt: „Bei einer Detailuntersuchung der Daten fielen ihm zahlreichen Ungereimtheiten auf. Parallel dazu fand der Student zwei identischen Datenreihen, die nur durch Copy und Paste entstanden sein konnten.“
Diederik Stapel wurde entlassen und alle seine Titel wurden ihm aberkannt
Eine universitäre Untersuchung legte am Ende einen großangelegten Betrug durch Stapel offen, den dieser schließlich auch zugab. Armin Falk stellt fest: „In Dutzender seiner Studien und von ihm betreuten Dissertationen hatte er in unterschiedlichem Ausmaß Daten manipuliert, gefälscht, frei erfunden oder einfach gestrichen, wenn sie die gewünschten Ergebnisse nicht hergaben.“ Auch seine Co-Autoren täuschte Stapel mit immer neuen Ausreden und Lügengeschichten.
Nach Abschluss der Untersuchungen wurden ihm alle Titel aberkannt, zudem wurde er aus allen Positionen entlassen. Insgesamt 58 seiner Studien wurden offiziell zurückgezogen und seine Wissenschaftspreise aberkannt. Vor Gericht stimmte er einem Vergleich zu, 120 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten. Anschließend schrieb er eine Autobiografie – mit dem vielsagenden Titel „Faking Science: A True Story of Academic Fraud“ – und hielt Vorträge zu seinen Erfahrungen. Trauriges Ende einer Karriere, bei der der Wunsch, vor sich und anderen als großartiger Forscher dazustehen, zu Täuschung und Betrug führte. Quelle: „Warum es so schwer ist, ein guter Mensch zu sein“ von Armin Falk
Von Hans Klumbies
