Die Einsamkeit sollte man aktiv und draußen suchen

Viele Menschen kennen das Gefühl, beispielsweise nach einem anstrengenden Arbeitstag vor allem und insbesondere auch von allen Mitmenschen um sich herum genug zu haben und sich am liebsten in einer Höhle verkriechen zu wollen. Manfred Spitzer ergänzt: „In dieser Hinsicht geht es Männern genauso wie Frauen: Man möchte seine Ruhe haben, niemanden sehen oder gar sprechen. Man ist erfüllt von dem Gedanken: Einsamkeit – das wäre jetzt das Paradies auf Erden.“ Es mag zwar paradox klingen, aber in diesem Fall kann es tatsächlich sehr sinnvoll sein, genau das zu tun, was man sich wünscht: die Einsamkeit suchen. Man muss es nur richtig anstellen. Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer leitet die Psychiatrische Universitätsklinik in Ulm und das Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen.

Tagträumen macht nachweislich depressiv

Auf die Frage wie und wo man die Einsamkeit suchen sollte, antwortet Manfred Spitzer: „Aktiv und draußen!“ Man sollte sich auf keinen Fall passiv der Einsamkeit überlassen, denn Tagträumen macht nachweislich depressiv. Psychologische Experimente zeigen, dass das Alleinsein mit den eigenen Gedanken als unangenehm erlebt wird – so sehr, dass sich nicht wenige ganz normale Probanden lieber Schmerzen mittels leichter Elektroschocks zufügen, als für sich einfach nur nachzudenken.

Wer die Einsamkeit sucht, sollte ins „Grüne“ gehen. Ganz allgemein lässt sich beobachten, dass sich sehr viele Menschen gerne draußen in die Natur aufhalten beziehungsweise sich die Natur zumindest nach Kräften in ihre Wohnung holen. Manfred Spitzer erläutert: „Menschen profitieren aus vielerlei Gründen vom Kontakt mit der Natur: Sie fühlen sich wohler, gesünder, ruhiger, energiegeladen, und sie haben weniger Stress.“ Zudem führt ein Aufenthalt in der Natur zu einer Minderung von Angst, Grübeln und negativer Gestimmtheit. Selbst das Denkvermögen wird durch ein Naturerlebnis verbessert.

Der Aufenthalt in der Natur wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus

Ein 90-minütiger Spaziergang in der Natur reduziert insbesondere auch das Grübeln, also das fast zwanghaft erfolgende ängstliche Nachdenken über sich selbst, das viele depressive Menschen so quält. Auch die Kreativität nimmt beim Aufenthalt in der Natur zu. Der Aufenthalt in der Natur reduziert wie erwähnt Stress und hat somit positive Wirkungen auf die körperliche und seelische Gesundheit. Zudem wurde ermittelt, dass die Umgebung mit zunehmender Naturnähe eine gesündere Ausstrahlung hat.

Viele Studien sind zu folgendem Ergebnis gekommen: Die Menschen fühlen sich wohler und sind glücklicher, wenn sie sich draußen in der Natur aufhalten – im Gegensatz zum „lebensfeindlichen Grau“ von Beton und Asphalt. In Japan spricht man seit 1982 sogar vom „Waldbaden“ – etwa analog dem hiesigen Sonnenbaden. Man nimmt den Wald ja mit allen Sinnen auf, wie das Wasser beim Tauchen. Nach einem Waldbad fühlen sich die Menschen ausgeglichener und wohler. Quelle: „Einsamkeit“ von Manfred Spitzer

Von Hans Klumbies

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