Man darf seinen Tagesrhythmus nicht durcheinanderbringen

Shunmyo Masuno möchte darüber sprechen, wie man seine Zeit nutzen kann, statt sich von ihr verbrauchen zu lassen: „Um geistig und körperlich gesund zu sein – oder besser noch, um voller Elan zu leben – ist es wichtig, den Tagesrhythmus nicht durcheinanderzubringen.“ Wenn sich die Zeiten, zu denen man morgens aufsteht und abends ins Bett geht, von einem Tag auf den anderen ständig verschieben, kann man weder eine optimale Gesundheit aufrechterhalten noch die geistigen Erschöpfung ertragen, die dadurch entsteht. Hinzu kommt, dass der Mensch von Natur aus zur Faulheit neigt – man kann so faul sein, wie man dies zulässt. Wenn man der Faulheit nachgibt, nimmt das kein Ende, und alles wird noch schlimmer. Shunmyo Masuno ist ein japanischer Zen-Mönch, preisgekrönter Zen-Garten-Designer sowie Professor für Umweltdesign an der Tama Art University in Tokyo.

Man sollte jeden Tag zur gleichen Zeit aufstehen

Wie wäre es, wenn man seine eigenen Regeln aufstellt, um seinen Tagesrhythmus beizubehalten? Es lohnt sich, auf seine Morgenroutine zu achten. Shunmyo Masuno kann das gar nicht genug betonen. Und unter den Regeln zur Wertschätzung des Morgens, die man beherzigen sollte, ist die wichtigste: „Stehe früh auf, und zwar jeden Tag zur gleichen Zeit.“ Wenn man früh aufsteht, schafft man sich Freiraum für seinen Morgen. Manche Menschen schlafen jedoch so lange wie möglich und kochen sich dann eilig einen Kaffee, nur um ihn hastig hinunterzustürzen und die Tasse in der Spüle stehen zu lassen, bevor sie sich auf den Weg zum Bahnhof machen.

Man kann sich leicht ausmalen, wie der Rest des Tages verlaufen wird, wenn der Tag so beginnt. Shunmyo Masuno erklärt: „Wir haben keine Zeit zu verlieren, sind mental die ganze Zeit auf Trab und es bleibt uns kaum Zeit zum Atemholen. Deshalb werden wir wahrscheinlich Dinge vergessen, und es ist gut möglich, dass wir Fehler machen.“ Man sollte an das folgende Zen-Sprichwort denken: „Du wirst durch die Stunden deines Tages aufgezehrt, während dieser alte Mönch seine Stunden in vollen Zügen nutzen kann.“

Jeder sollte den Tag möglichst gut nutzen

So sprach Zhaozhou Congshen, ein chinesischer Zenmeister, der zur Zeit der Tang-Dynastie lebte. Er betont, wie wichtig es ist, den Tag gut zu nutzen. Shunmyo Masuno erläutert: „Ihn wie eine hektische Slapstick-Komödie zu beginnen, ist das genaue Gegenteil davon. Das ist der Inbegriff des „Von-der-Zeit-aufgezehrt-Werdens“, also der Zeit ausgeliefert zu sein.“ Man sollte früh aufstehen, etwas frische Luft in sein Zimmer lassen, den ständigen Wechsel der Jahreszeiten vor seiner Tür oder seinem Fenster beobachten, während man einen tiefen Atemzug nimmt.

Das ist alles, was man braucht, um sein Blut in Schwung zu bringen und sich mit Kraft zu füllen. Während man nach dem Frühstück eine Tasse Tee oder Kaffee genießt, nehmen Geist und Körper die Frische des Morgens in sich auf und man wird dazu inspiriert, das Beste aus dem Tag zu machen. Klingt das nicht nach einem luxuriösen Morgen? Das bedeutet, dass man seine Zeit voll nutzt. Shunmyo Masuno betont: „Und man kann sich leicht vorstellen, wie der Rest des Tages verlaufen wird, wenn er so beginnt.“ Quelle: „Don´t Worry“ von Shunmyo Masuno

Von Hans Klumbies