Die US-amerikanische Volkswirtschaft des 21. Jahrhunderts unterscheidet sich erheblich von der des 20. Jahrhunderts und sogar noch stärker von dem Wirtschaftssystem, über das Adam Smith in der Frühzeit der amerikanischen Republik schrieb. Joseph Stiglitz stellt fest: „Diese Veränderungen machen es unabdingbar, dass der Staat eine viel größere Rolle spielt als in jenen früheren Epochen.“ Denn die amerikanische Volkswirtschaft hat grundlegende Veränderungen vollzogen, die jeweils mehr kollektives Handeln erfordern. Dies ist unter anderem in der Innovationsökonomie erforderlich. Die Produktion von Wissen unterscheidet sich von jener von Stahl oder andere gewöhnlichen Waren. Märkte investieren von sich aus nicht genug in Grundlagenforschung, die Quelle, aus der sich alle anderen Fortschritte speisen – aus diesem Grund ist der Staat ihr wichtigster Finanzier. Joseph Stiglitz war Professor für Volkswirtschaft in Yale, Princeton, Oxford und Stanford. Er wurde 2001 mit dem Nobelpreis für Wirtschaft ausgezeichnet.
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Passende Bücher bei Amazon findenDie postindustrielle Ära hat den Trend zur Urbanisierung massiv verstärkt
Auch in der urbanen Ökonomie ist kollektives Handeln erforderlich. Mit der Industrialisierung in dem Eintritt in das postindustrielle Zeitalter hat sich der Trend zur Urbanisierung massiv verstärkt. Joseph Stiglitz weiß: „Ballungsräume verfügen über entscheidende Vorteile, aber zugleich lassen sie sich nur schwer in effektiver Weise managen. Auf engem Raum kann das, was jemand tut, weit reitreichende Auswirkungen auf andere haben.“ Ohne Verkehrsregeln kommt es beispielsweise zu einem Verkehrskollaps und zahllosen Unfällen.
Ohne Umwelt- und Gesundheitsschutzvorschriften wären Städte noch immer die unangenehmen Ort, die sie einst gewesen sind, mit kurzer Lebenserwartung und grassierenden Krankheiten. Joseph Stiglitz fügt hinzu: „Die Lärmbelastung würde die Lebensumstände noch unerfreulicher gestalten. Ungeplante Städte in Schwellenländern vermitteln uns ein Bild davon, wie unerträglich Städte ohne wohldurchdachte Raumordnungspläne sein können.“
Heute treibt die Menschheit Raubbau an der Biosphäre
Des Weiteren macht eine durch planerische Begrenzungen eingeschränkte Ökonomie kollektives Handeln unabdingbar. In Adam Smiths Zeiten war man sich der Zerbrechlichkeit der natürlichen Umwelt kaum bewusst. Joseph Stiglitz kritisiert: „Heute treiben wir Raubbau an unserer Biosphäre. Sich selbst überlassene Märkte haben gezeigt, dass sie fähig sind, Städte unbewohnbar zu machen: Man denke nur an die früheren Smogglocken von London oder Los Angeles.“
Der Markt hat diese Städte nicht aus eigener Kraft sauber gemacht, vielmehr erzwangen staatliche Vorschriften Verhaltensveränderungen. Zu geringen Kosten für jeden Einzelnen und jedes Unternehmen haben alle enorm davon profitiert. Die Steuerung einer Volkswirtschaft in der Welt von Adam Smith ist etwas ganz anderes als jene einer postindustriellen, globalisierten und finanzmarktgetriebenen Innovationsökonomie. Damals hingen Schwankungen der gesamtwirtschaftlichen Lage hauptsächlich mit dem Wetter zusammen. Joseph Stiglitz ergänzt: „Aber dann folgte eine 200-jährige Ära, in der starke konjunkturelle Schwankungen mit enormen gesamtgesellschaftlichen Kosten auftraten.“ Quelle: „Der Preis des Profits“ von Joseph Stiglitz
Von Hans Klumbies
