Kurzfristiges Glück ist kein gutes Lebensziel

Immanuel Kant (1724 – 1804) stellte die scharfe Waffe seines Verstandes auch in den Dient der Moralphilosophie. Auch persönlich brachte er einen wesentliche Grundvoraussetzung mit, an der Möchtegern-Pflichtbewusste scheitern: Selbstdisziplin. Ludger Pfeil erklärt: „Er hatte sich aufgrund seiner kränklichen Konstitution an strengste Regeln im Tagesablauf gewöhnen müssen. Die Königsberger sollen ihre Uhren nach seinem Spaziergang gestellt haben.“ Erstaunlicherweise war Immanuel Kant alles andere als eine Spaßbremse. Seine täglichen Mittagsgesellschaften, bei denen Neuigkeiten aller Art durchgekaut wurden, galten als unterhaltsame und beliebte Veranstaltungen. Immanuel Kants Ethik vollzieht jedoch als Lebensziel nicht die kurzfristige gesellige Glückseligkeit, sondern die Glückswürdigkeit, die nur durch Pflichterfüllung zu erreichen sei. Der Philosoph Dr. Ludger Pfeil machte nach seinem Studium Karriere in der Wirtschaft als Projektleiter und Führungskraft und ist als Managementberater tätig.

Für das wahrhafte Glück wäre Allwissenheit erforderlich

Die Orientierung am Glück ist für Immanuel Kant eine zu unsichere Basis. Denn der Mensch ist sich trotz intensiven Nachdenkens selbst nicht im Klaren, was dazu beiträgt oder schadet: „Will er Reichtum, wie viel Sorge, Neid und Nachstellung könnte er sich dadurch nicht auf den Hals ziehen! Will er Erkenntnis und Einsicht, vielleicht könnte das ein nur um desto schärferes Auge werden. Damit sich die Übel, die sich für ihn jetzt noch verbergen und doch nicht vermieden werden können, sich ihm nur um desto schrecklicher zeigen. Oder seinen Begierden, die ihm schon genug zu schaffen machen, noch mehr Bedürfnisse aufzubürden.“

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Immanuel Kant fährt fort: „Will er ein langes Leben, wer steht ihm dafür, dass es nicht ein langes Elend sein würde? Will er wenigstens Gesundheit, wie oft hat noch Ungemächlichkeit des Körpers von Ausschweifungen abgehalten, darein unbeschränkte Gesundheit würden haben fallen lassen, usw. Kurz, er ist nicht vermögend, nach irgendeinem Grundsatz mit völliger Gewissheit zu bestimmen, was ihn wahrhaftig glücklich macht. Weil hierzu Allwissenheit erforderlich sein würde.“

Immanuel Kant gesteht den Menschen Rationalität zu

Auf keinen Fall hilft die Orientierung am eigenen Glück dabei, einen zum guten Menschen zu machen. Denn das Gutsein wird im Leben nicht zwangsläufig durch Wohlsein belohnt. Ludger Pfeil ergänzt: „Die Ausrichtung auf Annehmlichkeiten verdirbt den Charakter. Weil sie der Moral nur dann gehorchen will, wenn etwas dabei herausspringt.“ Im Leben vor dem Tod bleibt dies fragwürdig. Und ob man in einem Jenseits für tugendhaftes Verhalten belohnt wird, steht in den Sternen. Auch der emotionale Gewinn, den man aus gutem Handeln zieht, fällt letztlich noch in die verworfene Kategorie der Orientierung am Glück.

Für Immanuel Kant besteht die wahre Freiheit des Menschen darin, dass er sich – auch gegen seine Neigungen und Gefühle – aus der Vernunft heraus selbst dem moralischen Gesetz und damit der Pflicht unterwerfen kann. Immanuel Kant will nicht predigen und ermahnen. Sondern er erhebt den Anspruch, das tatsächliche moralische Räsonieren der Menschen zu beschreiben, das sich auf die Fähigkeiten ihrer Vernunft bezieht. Er gesteht den Menschen damit ein enormes Maß an Rationalität zu. Obwohl man dieses angesichts mancher Verhaltensweisen nicht bei jedem vermutet. Quelle: „Du lebst, was du denkst“ von Ludger Pfeil

Von Hans Klumbies