Lucy F. Jones schreibt: „In der Psychologie gibt es die These, dass unser Bewusstsein über unsere Sterblichkeit zum einer ambivalenten Einstellung gegenüber der Natur führen kann: Wir schrecken vor unserer Kreatürlichkeit zurück. Die Ablehnung unseres tierischen Ursprungs kann, so der amerikanische Autor und Umweltaktivist Paul Shepard, zu einer Ablehnung der Natur als Ganzes werden.“ Zum Teil liegt das in unserer jüdisch-christlich geprägten Natur begründet, die sich stark auf das westliche Gedankengut ausgewirkt hat und besagt, Gott habe den Menschen nach seinem Bild erschaffen. Wie können wir das Tiere sein? Schon im Kindesalter wird uns beigebracht, wie seinen eine andere Art Lebewesen als die Tiere. Lucy F. Jones ist Journalistin und schreibt regelmäßig zu wissenschaftlichen Themen, Gesundheit, Umwelt und Natur für die BBC, The Guardian und The Sunday Times.
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Passende Bücher bei Amazon findenDie Wildnis schien die meisten Menschen an ihren Tod zu erinnern
Dass alles Leben miteinander verknüpft ist, wird unter den Teppich gekehrt, damit der Mensch an der Spitze der Hierarchie bleiben kann. Lucy F. Jones ergänzt: „Und die ausbeuterische Philosophie weiterhin gerechtfertigt erscheint, die es uns erlaubt, Rohstoffe zu verbrauchen und Lebensräume zu zerstören, ohne einen möglichen Gedanken an Konsequenzen zu verschwenden.“ Der Wunsch sich von der Natur und ihren unzähmbaren Gewalten zurückzuziehen – vom Verfall und der Zerbrechlichkeit allen Lebens –, ist insofern vermutlich eine Teil unseres Dranges, die Augen vor dem Tod zu verschließen.
Menschen haben das fundamentfalte Bedürfnis, sich vor dem Gedanken zu schützen, dass ihr eigener Tod unumgänglich ist und sich ihrer Kontrolle entzieht, ebenso vor den Ängsten, die dadurch ausgelöst werden. Psychologen deuteten die Ambivalenz gegenüber der Natur und das Vermeidungsverhalten als einen „Prozess des Angstmanagements“. Lucy F. Jones erklärt: „Die Wildnis schien die meisten Menschen an ihren Tod und die damit verknüpfte Existenzangst zu erinnern, was dazu führte, dass sie die Natur mieden.“
Unser Planet liegt im Sterben
Die Wissenschaftler fanden auch heraus, dass Menschen, die den Anblick wilder Natur einer gestalteten Umwelt vorzogen, von dieser Präferenz „abgebracht“ werden konnten, wenn man sie an ihre Sterblichkeit erinnerte. Lucy F. Jones vermutet: „Vielleicht liegt es auch an unserer Angst vor dem Tod und dem Bewusstsein unserer Sterblichkeit, dass wir dem Planeten Erde unbedingt unseren Stempel aufdrücken wollen.“ All das erklärt vielleicht unsere Entfremdung von der Natur, warum und wie wir ihr den Rücken gekehrt haben und was wir sehen oder vorgeben nicht zu sehen.
Das erklärt auch die Tatsache, wie die Gesellschaft im Allgemeinen auf den ökologischen Zusammenbruch reagiert. Lucy F. Jones erläutert: „Hier spiegelt sich im Kleinen, dass eine ganze Gesellschaft die wissenschaftliche Tatsache leugnet, dass unser Planet im Begriff ist zu sterben. Offenbar können wir durchaus etwas über das massive Artensterben lesen oder sogar hinnehmen, dass auch Homo sapiens zu den eher kurzlebigen Spezies zählen wird, gleichzeitig aber so weiterleben, als wäre nichts.“ Quelle: „Die Wurzeln des Glücks“ von Lucy F. Jones
Von Hans Klumbies
