Die Literatur von 1789 bis 1815 ist von hoher Qualität

Die Zeit zwischen 1789 und 1815 – dem Ausbruch der Französischen Revolution und der konservativen Neuordnung Westeuropas durch den Wiener Kongress – gehört zu den fruchtbarsten Perioden der deutschen Literaturgeschichte. In etwas mehr als 25 Jahren wurde eine Literatur geschaffen, die sowohl von ihrer Quantität als auch von ihrer Qualität her beeindruckend ist. Die klassischen Werke von Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller, die Werke der Romantiker und die heute weitgehend vergessene jakobinische Literatur bilden eine verwirrenden Komplex von unterschiedlichen Themen und Formen, der kaum auf einen Nenner gebracht werden kann. Den Eindruck der Vielfalt, den die Kunstepoche vermittelt, wird noch durch zwei weitere Faktoren verstärkt. Zum einen gab es neben den Autoren, die sich den großen literaturhistorischen Lagern ziemlich eindeutig zuordnen lassen, Autoren wie Friedrich Hölderlin, Heinrich von Kleist und Jean Paul, die Einzelgänger waren und sich von den literarischen Parteien der Zeit weitgehend fernhielten.

Die Kunstliteratur trennt sich von der Trivialliteratur

Zum anderen gab es eine umfängliche Produktion von Trivialliteratur, die das wachsende Lesebedürfnis gegen Ende des 18. Jahrhunderts zu befriedigen und zugleich den Kampf gegen die Revolution im Medium der Literatur offensiv zu führen versuchte. Die Auseinanderentwicklung und schließlich die Trennung der Literatur in Kunstliteratur und in Trivialliteratur ist eine Unterscheidung, die es in der Aufklärung so nicht gegeben hat; gemessen an der aufklärerischen Zielsetzung unterschied man gut oder weniger gute Literatur.

Die trivialen Genres mussten sich da entwickeln, wo die Literatur selbst zunehmend ihre gesellschaftliche Basis verlor beziehungsweise auf sie verzichtete und nur noch für eine kleine Bildungsbürgerschicht verständlich war. Die Entstehung der Trivialliteratur ist die historische Antwort auf das an der großen Masse vorbeizielende Konzept der ästhetischen Erziehung und auf die Autonomiebestrebungen der romantischen Dichtung. Zugleich ist sie eine politische Reaktion auf das Konzept der eingreifenden Literatur, das die Jakobiner vertraten.

E. T. A. Hoffmann zählt zu den Spätromantikern

Der Eindruck der Vielfältigkeit, der mit den Stichwörtern „Weimarer Klassik“ auf der einen und „Trivialliteratur“ auf der anderen Seite nur grob umrissen werden kann, verstärkt sich, wenn man die Periode von 1815 bis 1830, die Zeit zwischen Wiener Kongress und dem Ausbruch der Juli-Revolution, in die Überlegungen mit einbezieht. In dieser Zeit entstehen die Hauptwerke von E. T. A. Hoffmann, Joseph von Eichendorff und anderen Autoren, die unter der Bezeichnung „Spätromantik“ in der Literaturgeschichtsschreibung zusammengefasst werden.

Gleichzeitig entstehen in dieser Zeit aber schon die ersten Werke von Heinrich Heine, Eduard Mörike und anderen, die der Vormärz-Epoche zugeordnet werden. Gerade die Zeit zwischen 1815 und 1830 ist eine Zeit der Überschneidungen und Parallelitäten, des Endes und des Neuanfangs. Zahlreiche literarische Strömungen und Schulen existieren nebeneinander. Neue Autoren wie August von Platen, Friedrich Rückert und Johann Peter Hebel treten ins öffentliche Bewusstsein, ohne dass sie den noch lebenden klassischen und romantischen Autoren das Feld streitig machen könnten. Quelle: Deutsche Literaturgesichte aus dem Verlag J. B. Metzler

Von Hans Klumbies

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