Der Organismus des Menschen sehnt sich nach guten Gefühlen

Indem der Mensch arbeitet, begegnet er der Welt gleich auf drei Arten. Erstens begegnet er der äußeren Welt, der Natur, beziehungsweise dem, was davon noch übrig geblieben ist. Zweitens begegnet er sich selbst. Das ist eine Begegnung mit seinen Möglichkeiten und Grenzen. Und drittens begegnet der Mensch einem sozialen Umfeld, seinem wohl bedeutendsten Lebenselixier. Kurt Langbein erläutert: „Diese drei Dimension der Arbeit können uns sowohl gesund erhalten als auch krank machen. Es ist jedenfalls nicht das „zu viel“, was die Arbeit zum Krankmacher werden lässt, wie wir Jahr für Jahr hören und lesen.“  Kurt Langbein hat unter anderem den Bestseller „Bittere Pillen“ geschrieben, eines der erfolgreichsten Sachbücher im deutschen Sprachraum. Sein aktuelles Werk heißt „Weissbuch Heilung“ und ist im Ecowin Verlag erschienen.

Stress kann durchaus lehrreich und nützlich sein

Und es ist in der Regel auch nicht der Stress am Arbeitsplatz, der einen Menschen krank werden lässt, denn dieser kann durchaus nützlich und lehrreich sein. Es gibt bestimmte Voraussetzungen, die gegeben sein müssen, damit Arbeit Spaß macht und gesund ist. Erstens sehnt sich der Organismus des Menschen nach guten Gefühlen. Die sind aber nur zu haben, wenn das Motivationssystem im Gehirn das aufmöbelnde Dopamin, die schmerzlindernden Opioide und das Vertrauenshormon Oxytocin ausschüttet.

Und das geschieht laut Kurt Langbein vor allem dann, wenn einer Person von anderen Menschen Wertschätzung, Sympathie oder Liebe entgegengebracht wird. Wenn dies bei der Arbeit geschieht, wird aus ihr kaum jemals der so gefährliche Dauerstress. Geschieht das nicht, können den Betroffenen schon Kleinigkeiten aus der Bahn werden und krank machen. Kurt Langbein ergänzt: „Die früher oft gehegte Annahme, dass hauptsächlich schwere Schicksalsschläge im Nervenkostüm nicht mehr wiedergutzumachende Spuren hinterlassen, hat sich in vielen Untersuchungen nicht bestätigt.“

Scheinbar kleine Alltagsereignisse können sehr belastend sein

Offenbar sind die Menschen ganz gut ausgestattet, um solche Großkatastrophen halbwegs unbeschadet zu überstehen. Viel gravierender dagegen aber, das zeigen Ergebnisse der neueren Stressforschung, wirkt sich die Summe der vermeintlich kleinen, alltäglichen Belastungen aus, wenn die positive Rückkopplung auf das Motivationssystem unzureichend ist oder ganz ausfällt. Viele negative Alltagserlebnisse können daher fast unbemerkt erhebliche und andauernde Stressreaktionen verursachen.

Der Innsbrucker Psycho-Neuro-Immunologe Christian Schubert erklärt: „Alltagsereignisse, die emotional bedeutsam sind, beschäftigen die Menschen über einige Tage sowohl psychologisch als auch immunologisch.“ Manche scheinbar kleinen Alltagsereignisse haben sich im Gespräch mit seinen Probanden als sehr belastend herausgestellt. Christian Schubert fügt hinzu: „Wir konnten mit diesen langen Gesprächen sehen, dass in der Bewältigung „kleiner“ Alltagsereignisse die Emotionalität, die emotionale Welt einer ganzen Person steckt.“

Von Hans Klumbies

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