Die Angst ist ein ständiger Begleiter bei einer schweren Krankheit

Die Mediziner sind zur umfassenden Aufklärung gegenüber ihren Patienten verpflichtet. Kurt Langbein hat lange und beharrlich gegen die Geheimniskrämerei der sogenannten Götter in Weiß angekämpft und für das Recht des mündigen Patienten gestritten. Aber als er dann selbst mit einer Krebsdiagnose mit nicht günstigem Ausgang konfrontiert war, hat er gespürt, wie schnell und tief sich die Angst überall eingräbt, wenn die Risiken und Komplikationen aufgezählt werden, die unter Umständen zu erwarten sind. Obwohl die Angst den Körper weiter schwächt, ist sie unvermeidlich, wenn ein Mensch unvermittelt mit einer schweren Krankheit konfrontiert wird. Kurt Langbein studierte in Wien Soziologie und ist seit 1992 geschäftsführender Gesellschafter der Produktionsfirma Langbein & Partner Media. Er ist unter anderem Autor des Bestsellers „Bittere Pillen“. Sein aktuelles Buch heißt „Weissbuch Heilung“ und ist im Ecowin Verlag erschienen.

Patienten haben neben dem Recht auf Information auch das Recht auf Hoffnung

Menschen verfügen über unterschiedliche Strategien, um mit ihrer Angs umzugehen: manche verleugnen sie komplett, verdrängen sie aus ihrem Bewusstsein, andere fühlen sich wie gelähmt, wieder andere verschieben sie in andere Gefühlswelten. Aber alle haben eines gemeinsam – sie sind enorm belastet. Kurt Langbein warnt: „Umfassende Information ist also nicht nur wichtig, sie kann in der Hand der Ärzte auch zur Waffe werden, die krank macht.“ Hilfreich dagegen ist ein Therapeut, der dem Patienten glaubwürdig das Gefühl vermitteln kann, da zu sein und gemeinsam mit dem Kranken die Therapie durchzustehen.

Die Wahrheit darf der Hoffnung nicht im Weg stehen. Denn alle Patienten haben laut Kurt Langbein neben dem Recht auf umfassende Information das Recht auf Hoffnung. Dabei geht es um die Überzeugung, dass ein Patient wieder gesund werden kann. In der modernen Medizin hat sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass alle beteiligten Fachrichtungen gemeinsam nach der optimalen Behandlung eines Patienten suchen müssen. Dabei geht es auch darum, gemeinsam zu lernen und die Betriebsblindheit der einzelnen Fachrichtungen zu überwinden.

Durch Dauerstress geht die Fähigkeit zur Selbstregulierung völlig verloren

Dauerstress bringt das normalerweise gut eingestellte menschliche Alarm- und Beruhigungssystem unausweichlich aus dem Gleichgewicht. Kurt Langbein erklärt: „Immer neue Cortisol-Schübe in immer kürzeren Abständen führen immer häufiger zu Kurzschlüssen, bis die Fähigkeit zur Selbstregulierung völlig verloren geht: Der Cortisol-Spiegel bleibt ständig auf höchstem Niveau und bringt dabei eine ganze Reihe von Körperfunktionen durcheinander.“ Er kann aber auch komplett absinken, was ebenfalls erhebliche Unordnung schafft.

Wenn Angst länger anhält, verliert sie ihren ursprünglichen Wert als Inspirator für neue Lösungen und ist ungesund. Diese Art der Angst schwächt das Immunsystem. Kurt Langbein erläutert: „Auf Angst reagiert der Körper, indem er seine Energien auf Funktionen konzentriert, die im Fall einer akuten Bedrohung für ihn wichtig sind: In Vorbereitung auf Flucht oder Kampf steigt der Puls, die Muskeln werden besser mit Blut versorgt, der rationale Teil des Gehirns wird heruntergefahren, es reagiert der reflexhaft reagierende Teil.“

Von Hans Klumbies

 

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