Die moderne Welt zu denken entstand im Lauf einer Reihe von Krisen, die ab dem Jahr 1500 Europa erschütterten und sich später über die ganze Welt ausbreiteten. Stefan Klein blickt zurück: „Viele Konflikte dieser Zeit erinnern an die Auseinandersetzungen, die unsere Gesellschaften heute aus dem Gleichgewicht bringen. Globalisierung und die explosive Verbreitung neuer Medien stellten auch damals die soziale Ordnung in Frage.“ Technischer Fortschritt wurde entscheidend für wirtschaftlichen Erfolg, und die Gewissheiten der Religion gelten nicht mehr. So gut wie alle Lebensbereiche verändern sich. Vor allem der Buchdruck revolutionierte die Verbreitung von Büchern und Schriften. Um das Jahr 1500 waren bereits mehr als 20 Millionen, um das Jahr 1600 mehr als 200 Millionen Bücher gedruckt. Stefan Klein zählt zu den erfolgreichsten Wissenschaftsautoren der deutschen Sprache. Er studierte Physik und analytische Philosophie in München, Grenoble und Freiburg.
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Passende Bücher bei Amazon findenDie Mächtigen herrschten nicht mehr allein über das Wissen
Schon Johannes Gutenbergs Zeitgenossen erkannten, dass die Erfindung des Buchdrucks viel mehr bewirken würde als nur den Beginn einer neuen Industrie. Die Alleinherrschaft der Mächtigen über das Wissen der Menschen war damit beendet. Stefan Klein weiß: „Bis zur Erfindung der Druckerpresse war es leicht gewesen, unerwünschte Meinungen zu unterdrücken. Man musst nur die Aufrührer aus dem Verkehr ziehen. Und kursierten irgendwo häretische Schriften, wurde man mit ein paar handgeschriebenen Exemplaren leicht fertig.“
Ohnehin konnten nur die wenigsten lesen. All das änderte sich, als in jeder Stadt, die mehr als nur ein besserer Marktflecken war, Druckereien ihre Arbeit aufnahmen. Die Menschen sahen jetzt einen Grund, lesen zu lernen. Stefan Klein erklärt: „Wie Information und Ansichten sich verbreiteten, ließ sich jetzt kaum mehr kontrollieren. Sobald die Kirche ein Buch auf den Index setzte, ein Landesherr eine Flugschrift untersagte, witterten Drucker ihre Chance, die verbotenen Ideen profitabel unter die Leute zu bringen.“
Subversive Schriften gelangten nach Europa
Der Zufall wollte es, dass gleichzeitig mit der Reife der Druckerpresse massenhaft subversive Schriften nach Europa gelangten, die sich mit der neuen Technik verbreiteten. Als Konstantinopel im Jahr 1453 an die Türken fiel, beförderten die fliehenden christlichen Intellektuellen ganze Bibliotheken antiker Manuskripte nach Westen. Stefan Klein fügt hinzu: „Plötzlich verfügte man in Städten wie Florenz oder Mailand über die Texte, die schon Archimedes und andere Denker des Altertums angeregt hatten.“
Und unter den Geflüchteten waren Gelehrte, die diese Bücher verstanden. Sie gaben nicht nur reichlich Anstöße für neue Ideen, sondern vermittelten mit der antiken Gedankenwelt auch eine Alternative zu den Doktrinen der Kirche. Stefan Klein erläutert: „Nach der katholischen Lehre soll der Mensch nur nach einem Ziel streben – Gottes Ehre zu mehren. Keine würdigen Bemühungen dagegen waren solche nach einem besseren irdischen Leben oder Erkenntnis der Welt.“ Quelle: „Wie wir die Welt verändern“ von Stefan Klein
Von Hans Klumbies
