Über die Hoffnung gibt es unzählige Zitate

Es gibt Begriffe, die lechzen geradezu danach, sich in einem Kalenderspruch oder Sprichwort wiederzufinden. Zu diesen zählt zweifellos und prominent die Hoffnung. Wer im Internet kurz nach Zitaten zur Hoffnung sucht, wird auf Anhieb mit mehreren hundert Fundstellen beglückt. Auch Konrad Paul Liessmann beginnt deshalb mit einer alten Weisheit: „Dum spiro spero – Solange ich amte, hoffe ich. Diese Sentenz gehört wahrscheinlich zu den meistzitierten Sätzen der Antike, sie wird gemeinhin Marcus Tullius Cicero zugeschrieben.“ Recherchiert man ein wenig dazu im Internet, wird man darauf verwiesen, dass diese Formel unvollständig sei. Ergänzt wird sie durch die Sätze: „Solange ich hoffe, liebe ich. Solange ich liebe, lebe ich.“ Konrad Paul Liessmann ist Professor emeritus für Philosophie an der Universität Wien, Essayist, Literaturkritiker und Kulturpublizist.

Die Liebe ist unverzichtbar

Das klingt nun eher nach der christlichen Einbettung der Hoffnung in die Liebe, weniger nach einem römischen Staatsmann. Sieht man sich die als Quelle genannten Briefe an Atticus genauer an, bestätigt sich dieser Vorbehalt. Dort schreibt Cicero, bezugnehmend auf eine politisch-militärisch prekäre Lage, ziemlich lakonisch: „Wie man sagt, dass ein Kranker, solange er Atem hat, Hoffnung hat, so habe ich, solange Pompeius noch in Italien stand, nicht zu hoffen aufgehört.“

Hier ist nicht von Liebe und Leben, sondern von Krieg und Tod die Rede. Konrad Paul Liessmann stellt fest: „Aus dem können wir zweierlei lernen: Traue nie dem Internet, überprüfe alles. Und: Wir denken uns, ohne es uns stets bewusst zu machen, die Hoffnung gerne in einem theologisch angehauchten Kontext.“ Mittlerweile darf zwar der Glaube fehlen, doch die Liebe ist unverzichtbar! Diese Assoziation verbindet die Hoffnung mit dem moralisch Guten und Erstrebenswerten.

Die Hoffnung blickt positiv auf die Zukunft

Die Frage, ob sich die Hoffnung mit negativen Gefühlen wie Gier, Neid oder Hass verbinden kann, wird ungern gestellt, obwohl sie auf der Hand liegt. Konrad Paul Liessmann nennt Beispiele: „Auch der Kriminelle hofft, dass sein Verbrechen gelingt und unentdeckt bleibt, auch der Terrorist hofft, dass sein Anschlag die gewünschte Wirkung, die Verbreitung von Angst und Schrecken, zeitigt.“ Vorab sollte man also vom Pathos, das den Begriff der Hoffnung gerne umgibt, einmal absehen.

Was tut jemand, der hofft? Das schöne deutsche Wort „hoffen“ ist etymologisch nah mit „hüpfen“ verwandt. Konrad Paul Liessmann erläutert: „Wer hofft, ist in unruhiger Erwartung in Hinblick auf ein kommendes Ereignis.“ Die innere Bewegtheit der Hoffnung indiziert, dass diese prinzipiell zukunftsgerichtet ist. Hoffnung ist eine Form, sich emotional auf ein positiv gedachtes Zukünftiges einzustellen. Das Gegenteil ist Furcht. Diese erwartet von der Zukunft das Schlimme. Quelle: „Alles wird gut“ von Konrad Paul Liessmann in Philosophicum Lech Band 26, „Alles wird gut“

Von Hans Klumbies