Drei ist eine magische Zahl

Man kann sich auf die Suche nach den prähistorischen Ursprüngen des Schwarz-Weiß-Denkens machen, indem man in der Evolutionsgeschichte weit zurückgeht. Dabei stellt man fest, dass drei die magische Zahl ist, wenn es darum geht, Meinungen zu prägen, Meinungen zu ändern und andere auf seine Seite zu ziehen. Kevin Dutton erklärt: „Tief im Nebel unserer dunklen, darwinistischen Vergangenheit decken wir eine geheime goldene Triade dyadischer Superkategorien auf.“ Diese haben bis heute einen tiefgreifenden, mächtigen Einfluss auf die leicht zu beeinflussenden menschlichen Gehirne. Menschen, die einen anderen von etwas überzeugen wollen, müssen diese Superkategorien nur strategisch nutzen, um einen auf ihre Seite zu ziehen. Dabei geht es um Kampf versus Flucht, wir versus sie und richtig versus falsch. Kevin Dutton ist Forschungspsychologe an der University of Oxford und Mitglied der British Psychological Society.

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Die Funktion der Sprache ist extrem elementar

In den Händen eines Bin Ladens oder eines Adolf Hitlers können derlei Kategorien Millionen Menschenleben kosten. Doch wenn sie im Dienst des Gemeinwohls vernünftig angewendet werden, können sie Wunder bewirken. Tatsächlich ist die Sprache mehr oder weniger der Schlüssel zur Aktivierung jeder Art von Kategorie. Das gilt nicht nur für die unwiderstehlichen, waffenfähigen evolutionären Superkategorien. Denn die Wahrheit ist: Wenn die Menschheit die Sprache nicht hätte, hätte sie nichts.

Die Funktion der Sprache ist in der Tat extrem elementar, denn sie besteht im Grunde darin, „dieses“ von „jenem“ zu unterscheiden. Kevin Dutton weiß: „Und wo die Sprache endet, übernimmt die Beeinflussung das Zepter. Auch deren Funktion ist klar und eindeutig. Sie besteht ganz einfach darin, mein „dieses“ zu ihrem „jenen“ zu machen.“ Es ist ein Schachzug, den alle beherrschen müssen, wenn sie im Leben vorankommen wollen. Und einer, der unmittelbar herrührt von der urzeitlichen Vorliebe des menschlichen Gehirns, Dinge schwarz-weiß zu sehen.

Das Gehirn ist selbst eine Karte

Doch es müssen Bedingungen erfüllt und Regeln befolgt werden. Man muss wissen, wie es funktioniert, warum es funktioniert und wann es funktioniert. Und, vielleicht am allerwichtigsten, wie man auf der Hut sein kann, wenn andere versuchen, diesen Schachzug bei uns anzuwenden. Auf einer Reise zum Kern der Beeinflussung wird man entdecken, dass das Gehirn, das grobe, primitive Karten der Realität erstellt, selbst eine Karte ist. Nämlich eine Karte, die sich entlang dreier großer Linien falten lässt – Kampf versus Flucht, wir versus sie, richtig versus falsch.

Das Wissen darüber, wie sich die Karte öffnen und falten lässt, macht es verdammt einfacher, die richtigen Schritte zu tun, als einer Karte zu folgen, die sich nur nach dem Zufallsprinzip öffnet. Kevin Dutton schreibt: „Schwarz. Weiß. Denken! stützt sich auf Erkenntnisse aus allen möglichen Bereichen – von der Forensik bis hin zur sozialen und kognitiven Neurowissenschaft und von der Interessengruppendynamik bis hin zu den heiß umkämpften Grauzonen an den Grenzen der Sprache, Aufmerksamkeit und Denken.“ Quelle: „Schwarz. Weiß. Denken!“ von Kevin Dutton

Von Hans Klumbies

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