Judith Werner bietet philosophische Hilfe bei Gedankenschleifen an

Judith Werner schreibt in ihrem Buch „Besser grübeln“: „Wer konstant seinen Gedanken nachhängt – zumal, wenn es sich um Sorgen oder Ängste handelt – verbraucht jede Menge Energie. Die fehlt dann an anderer Stelle, vor allem, wenn es darum geht, Entscheidungen zu treffen. Overthinking macht mürbe und ist kein erstrebenswerter Zustand.“ Der Alltag ist von großen und kleinen Entscheidungen geprägt und wenn dabei von der eigenen Grübelei ausgebremst wird, ist Stress vorprogrammiert. Was jedoch gegen einen simplen Grübelstopp spricht: Er funktioniert nicht. Auf der anderen Seite kann Overthinking echten Leidensdruck ausüben. Die Bandbreite, wie sich dieser gestaltet, ist vielfältig. Gerade Ablehnung – egal in welcher Form – schmerzt. Die Bewertung durch andere ist daher ein Kernelement von vielen Overthinking-Schleifen: Habe ich etwas Falsches gesagt? Wie habe ich es gesagt? Wie ist das bei der anderen Person angekommen? Dr. Judith Werner ist Publizistin und Philosophin.

Anderes Denken führt zu besserem Grübeln

Wer ganz grundsätzlich und häufig in seinen Gedanken und Grübelschleifen feststeckt, verliert mindestens Flexibilität, oft auch Kreativität und in der Konsequenz vor allem einiges an potenziellen Lebensglück. Judith Werner hat allerdings auch eine gute Nachricht: „Es gibt Wege aus dem Overthinking und zwar solche, die einem nicht das Denken verbieten, sondern mit denen wir lernen, anders zu denken und so besser zu grübeln.“ Und so kommen wir runter vom Karussell der kreisenden Gedanken: Wir begeben uns auf eine Denkreise.

Dass die Konfrontation mit unseren Mitmenschen zu Grübeln führt, ist dementsprechend aber auch erst mal nicht problematisch, sondern eine Möglichkeit, zu einer klaren Selbsterkenntnis zu kommen. Gefahr besteht erst dann, wenn wir drohen, uns in den Fremdurteilen zu verlieren. Oder einfacher gesagt: Die Meinung meiner Mitmenschen ist das eine, was ich darauf für mich mache, hingegen noch mal eine ganz andere Frage. Judith Werner will dabei aber auch nichts schönreden: „Die Auseinandersetzung mit unseren Mitmenschen ist denkerisch wie praktisch eine komplexe Angelegenheit.“

Jede Grübelreise ist anders

Erst wenn wir grübeln, kommen wir an den Ort, den Edmund Husserl mit Blick auf die Lebenswelt meint. Indem wir uns auf dem Gedankenkarussell selbst betrachten und uns fragen, was bestimmte Erfahrungen in unserem Bewusstsein mit uns machen beziehungsweise für uns bedeuten, betreiben wir Phänomenologie. Der Wahlspruch, den Husserl hierfür definierte, lautete nämlich: „Zu den Sachen selbst.“ In welcher Lebenswelt wir uns sehen beziehungsweise wie wir diese wahrnehmen, ist nämlich nicht immer gleich.

Es braucht sogar ein bisschen Abenteuerlust, sich den Denkspiralen zu entziehen und einen Schritt zurückzutreten. Dabei können wir uns selbst kritisch hinterfragen. Jede Grübelreise ist anders. Das Wichtigste ist nur, dass wir irgendwann feststellen, dass jetzt der richtige Moment für den Absprung gekommen ist. Mit dem besseren Grübeln, das wir in diesem Buch gelernt haben und das wir Tag für Tag trainieren können, haben wir jetzt beste Voraussetzungen und von Overthinking zu lösen und in eine anderen Denkrichtung aufzubrechen.

Besser grübeln
Philosophische Hilfe bei Gedankenschleifen und Overthinking
Judith Werner
Verlag: Kösel
Gebundene Ausgabe: 207 Seiten, Auflage: 2025
ISBN: 978-3-466-37343-7, 20,00 Euro

Von Hans Klumbies