Judith Glück beschreibt die fünf Ressourcen weiser Menschen

Die Weisheitsforscherin Judith Glück befasst sich in ihrem neuen Buch „Weisheit“ mit der Entwicklung von Weisheit und beschreibt darin die fünf Ressourcen weiser Menschen: Erstens Offenheit für Neues und Neugier auf das Leben sowie die Bereitschaft, andere Standpunkte gelten zu lassen. Zweitens die Regulation der Emotionen, das heißt, ein kluger Umgang mit den eigenen Gefühlen. Drittens das Vermögen zur Einfühlung, die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Viertens Reflexivität, die sich darin äußert, komplexe Zusammenhänge verstehen zu wollen und sich selbst zu hinterfragen. Und fünftens die Akzeptanz von Unkontrollierbarkeit – die Einsicht, dass man nur eine begrenzte Kontrolle über die Dinge hat, die in jedem Leben passieren. Judith Glück verdeutlicht anhand zahlreicher Fallbeispiele, wie sich diese Ressourcen im Leben bemerkbar machen. Judith Glück ist seit 2007 Professorin für Entwicklungspsychologie an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt.

Wissen und Denken allein machen die Weisheit noch nicht aus

Obwohl sich Judith Glück seit 18 Jahren mit der Frage beschäftigt, was Weisheit eigentlich ist, hat sie immer noch keine endgültige Antwort darauf gefunden. Die meisten Menschen kennen zumindest eine Person, die sie als einigermaßen weise ansehen. Sehr weise Menschen sind, wie Judith Glück aus ihrer Erfahrung als Weisheitsforscherin weiß, äußerst selten, und den idealtypischen weisen Menschen gibt es im wirklichen Leben vermutlich gar nicht. Die meisten Menschen stellen sich unter einer weisen Persönlichkeit jemanden vor, der viel Lebenserfahrung hat und diese nicht nur zu seinem eigenen, sondern vor allem auch zum Wohl anderer Menschen einsetzt.

Um anderen Menschen Ratschläge erteilen zu können, muss eine weise Person über bestimmte kognitive Fähigkeiten verfügen: Sie muss in der Lage sein, auch komplexe und widersprüchliche Sachverhalte von verschieden Seiten zu betrachten, um alle Aspekte zu erfassen und zu durchdringen. Judith Glück ergänzt: „Zum anderen muss er über ein breites und gleichzeitig tiefes Wissen verfügen, um das konkrete Problem richtig interpretieren zu können.“ Wissen und Denken allein machen allerdings die Weisheit noch nicht aus.

Der Weg zur Weisheit ist steinig und unbequem

Der weise Mensch muss auch in der Lage sein, sich in diejenigen, die seinen Rat suchen, hineinzuversetzen, um ihnen helfen zu können. Zudem sind weise Menschen außerordentlich gute Zuhörer. Sie akzeptieren und respektieren andere Menschen, sie verachten oder verurteilen nicht. Weise Menschen, so stellt man sich das jedenfalls vor, sind mit sich, dem Leben und der Welt im Reinen. Der Weg zur Weisheit ist lang, steinig, häufig steil und unbequem. Die Entwicklung von Weisheit erfordert eine intensive Auseinandersetzung auch mit den weniger schönen Seiten des Lebens.

Eine reflektive, sich selbst hinterfragende Grundhaltung ist die Basis sowohl für die Entwicklung von Mitgefühl als auch für die Entwicklung des Wissens, das zur Weisheit gehört. Menschen werden deswegen weise, weil sie nach Erkenntnis und nach Wahrheit streben und nicht nach Selbstbestätigung oder Wohlbefinden. Judith Glück persönlich glaubt, dass es nicht nur die Neugier zum reflektiven Denken ist, sondern dass auch eine gewisse Sensitivität und Grundoffenheit erforderlich ist, um sich überhaupt in ausreichendem Maße für die großen Fragen der menschlichen Existenz zu interessieren.

Weisheit
Die 5 Prinzipien des gelingenden Lebens
Judith Glück
Verlag: Kösel
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten, Auflage: 2016
ISBN: 978-3-466-34646-2, 19,99 Euro

Von Hans Klumbies

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