Michel de Montaigne (1533 – 1592) schrieb: „Wenn ich mit meiner Katze spiele – wer weiß, ob ich nicht mehr ihr zum Zeitvertreib diene als sie mir?“ Montaigne wird oft als einer der Begründer des modernen Humanismus genannt. Dabei handelt es sich um eine Denkströmung, die darauf abzielt, jegliche Vorstellung von Gott hinter sich zu lassen. John Gray ergänzt: „In Wahrheit aber stand er dem Menschen genauso skeptisch gegenüber wie Gott. Michel de Montaigne schrieb: „Das unseligste und gebrechlichste aller Geschöpfe ist der Mensch, gleichzeitig jedoch das hochmütigste.“ Beim Durchforsten früherer Philosophien fand er keine, die das Wissen vom richtigen Leben, das Tiere von Natur aus besäßen, ersetzen könne. John Gray lehrte Philosophie unter anderem in Oxford und Yale. Zuletzt hatte er den Lehrstuhl für Europäische Ideengeschichte an der London School of Economics inne.
Michel de Montaigne zählt zu den Skeptikern
„So können sie uns mit gleichem Recht für vernunftlose Tiere halten wie wir sie“, erklärte Michel de Montaigne. Andere Tiere seien den Menschen insofern überlegen, als sie ein angeborenes Verständnis davon besäßen, wie zu leben sei. John Gray stellt fest: „Mit dieser Ansicht entfernte sich Montaigne vom christlichen Glauben und von den wirkmächtigsten Traditionen der westlichen Philosophie. Skeptiker zu sein, war zu Montaignes Zeiten riskant. Ebenso wie andere europäischen Länder war auch Frankreich von Religionskriegen erschüttert.
Michel de Montaigne wurde in sie hineingezogen, als er als Nachfolger seines Vaters Bürgermeister von Bordeaux wurde. Er fungierte aber auch nach 1570, nach seinem Rückzug aus der Welt in sein Studierzimmer, als Vermittler zwischen den sich bekriegenden Katholiken und Protestanten. Zur Stammlinie seiner Familie gehörten Marranos – iberische Juden, die, von der Inquisition verfolgt, gezwungen worden waren, zum Christentum zu konvertieren.
Michel de Montaigne wurde vom Pyrrhonismus beeinflusst
Der Skeptizismus der griechischen Antike war in Europa im 15. Jahrhundert wiederentdeckt worden. Michel de Montaigne wurde von seiner radikalsten Strömung, dem Pyrrhonismus beeinflusst. John Gray erläutert: „Pyrrhon von Elis, nach dem diese Strömung benannt ist, war in der Armee Alexanders des Großen nach Indien marschiert, wo er angeblich bei den Gymnosophen – nackten Weisen – oder Yogis in die Lehre ging.“ Von diesen Weisen könnte Pyrrhon die Idee mitgebracht haben, dass das Ziel der Philosophie die „Ataraxie“ sei.
Dabei handelt es sich um einen Zustand der Seelenruhe. Möglicherweise hat er selbst als Erster diesen Begriff verwendet. Nachdem er Glauben und Unglauben hinter sich gelassen hatte, konnte der skeptische Philosoph vor innerer Unruhe sicher sein. Michel de Montaigne lernte viel vom Pyrrhonismus. Der Philosoph Sextus Empiricus fasste sie skeptische Weltanschauung wie folgt zusammen: „Das motivierende Prinzip der Skepsis nennen wir die Hoffnung auf Seelenruhe.“ Quelle: „Katzen und der Sinn des Lebens“ von John Gray
Von Hans Klumbies
