Macht offenbart den Charakter eines Menschen

Ein Faktor, dem es immer wieder gelingt, die Ziele eines Menschen und damit auch seine Werte und sein Verhalten zu verändern, ist Macht. John Bargh weiß: „Die Macht der Macht ist legendär: Macht macht korrupt, wie das Sprichwort lautet, und Machtvollkommenheit macht vollkommen korrupt.“ Bei Staatsbeamten kommen Fälle von Machtmissbrauch und Korruption leider nur allzu häufig vor. Korrupte Personen scheinen oftmals gar keinen Sinn dafür zu haben, wie ihr Verhalten auf die Öffentlichkeit wirken muss, als wäre ihnen überhaupt nicht bewusst, dass sie ihre Macht missbrauchen. Macht ermöglicht es ihrem Inhaber, sich das Gewünschte zu verschaffen, trotz der Einwände oder fehlender Zustimmung anderer. Prof. Dr. John Bargh ist Professor für Psychologie an der Yale University, wo er das Automaticity in Cognition, Motivation, and Evaluation (ACME) Laboratory leitet.

Wünsche können die Macht über einen Menschen übernehmen

Abraham Lincoln, der 16. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, schrieb: „Unter Zwang kann jeder das Richtige tun. Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, gib ihm Macht.“ Was sich ein Mensch wünscht, welche Zukunft er sich auf kurze wie auf lange Sicht ersehnt, all das hat beträchtliche und hauptsächlich verborgene Auswirkungen auf ihn und sein Verhalten. Mehr als es einem Menschen vielleicht klar ist, führt sein gegenwärtiges Ziel die Regie, setzt oftmals seine zentralen Überzeugungen und persönlichen Werte außer Kraft und macht ihn, solange es aktiv ist, de facto zu einem anderem Menschen.

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„Vor dem Denken“ von John Bargh


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John Bargh rät: „Deshalb müssen wir vorsichtig mit unseren Wünschen sein, denn sie können, ohne dass es uns bewusst wäre, die Macht über uns übernehmen. Wir delegieren die Kontrolle an dieses Ziel, und obwohl wir vielleicht nicht merken oder gar billigen, was es im Schilde führt, sind wir nichtsdestoweniger persönlich verantwortlich dafür.“

Das Unbewusste schläft nie

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn es um die wichtigsten eigenen und möglicherweise egoistischen Ziele geht, deren Realisierung auf Kosten anderer erfolgen würde. Deshalb ist es so wichtig, ein echtes Interesse an anderen zu kultivieren und sich um sie zu kümmern, denn auch wenn man selbst gar nichts von diesen Neigungen merkt, sie werden sich anderen offenbaren, sobald man die Gelegenheit bekommt, nach ihnen zu handeln.

John Bargh gibt noch folgenden Tipp: „Und vor allem: Wünschen Sie sich selbst oder anderen nie etwas Schlechtes, wie man es manchmal tut, wenn man wütend ist, denn für Ihren Geist ist ein Ziel ein Ziel, und ein solch boshafter Wunsch könnte sich als Bumerang erweisen.“ Andererseits können positive Wünsche, etwa, indem man sich selbst ein wichtiges Ziel setzt, dabei helfen, die eigenen Träume zu verwirklichen – denn das Unbewusste schläft nie, nicht einmal während man träumt. Quelle: „Vor dem Denken“ von John Bargh

Von Hans Klumbies