John B. Watson war ein Mitbegründer des Behaviorismus

John B. Watson war einer der einflussreichsten und umstrittensten Psychologen seiner Zeit. Sina Haghiri erklärt: „Er war Mitbegründer des Behaviorismus, also der Vorstellung, dass menschliches Verhalten nicht aus Gedanken, Gefühlen oder inneren Motiven heraus verstanden werden kann, sondern rein auf das beobachtbare Verhalten reduziert werden sollte.“ Reize von außen und Reaktionen darauf, das war alles, was zählt. Der Behaviorismus trat damit auch in Konkurrenz zur gleichzeitig immer populärer werdenden Psychoanalyse, die innere Konflikte, Triebe und das Unbewusste in den Mittelpunkt rückte. Während Sigmund Freud etwa Ängste als Ausdruck innerer Spannungen, verdrängter Triebe oder ungelöster Konflikte verstand, wollte John B. Watson beweisen, dass sie ganz ohne Seelenleben erklärbar sind. Sina Haghiri arbeitet als Psychotherapeut ambulant in einer Klinik mit Patienten in Einzel-, Paar- und Gruppentherapie.

John B. Watson konditionierte dem kleinen Albert Angst

Das Ziel des Behaviorismus war eine strenge Wissenschaft des Verhaltens, objektiv messbar, experimentell erforschbar. Sina Haghiri weiß: „Und John B. Watson war ein Überzeugungstäter. Es war ihm ein persönliches Anliegen, die Welt von seiner Wahrheit zu überzeugen. Dafür suchte er die große Bühne.“ Am bekanntesten ist bis heute sein Experiment mit dem kleinen Albert, einem gesunden, neun Monate alten Jungen, dem John B. Watson in einem berühmt-berüchtigt gewordenen Versuch Angst konditionierte.

Albert wurden zunächst unterschiedliche Tiere und Spielzeuge gezeigt, auf die er neutral bis freudig reagierte. Zwei Monate später begann das eigentliche Experiment. Sina Haghiri erläutert: „Albert, mittlerweile elf Monate alt, wurde eine weiße Ratte gezeigt, während John B. Watson gleichzeitig hinter ihm mit einem Hammer auf eine Eigenstange schlug, um ein lautes, unangenehmes Geräusch zu erzeugen. Beim ersten Mal wimmerte Albert. Nach zwei Wiederholungen wollte er die Ratte nicht mehr anfassen.“

Angst kann auch wieder verlernt werden

Nach sieben Wiederholungen zeigte Albert eine starke Angstreaktion allein beim Anblick der Ratte. Sina Haghiri ergänzt: „Schließlich reagiert er auch ängstlich auf ähnliche Reize wie weiße Kaninchen, Hunde, Pelzmäntel oder Baumwollbüschel, ohne dass John B. Watson noch den Hammer benutzen musste.“ Albert hatte Angst vor allem, was ihn auch nur entfernt an die Ratte erinnerte. Der Beweis schien erbracht. Angst ist nicht angeboren – so jedenfalls die These von John B. Watson.

Während die Psychoanalyse die Angst als Ausdruck verdrängter Triebe oder innerer Konflikte verstand, wollte John B. Watson zeigen, dass Angst schlicht erlernt ist, durch Erfahrung, Reiz und Reaktion. Sina Haghiri fügt hinzu: „Und wenn Angst erlernt werden kann, so John B. Watson, kann sich auch wieder verlernt werden. Die Tür zur therapeutischen Verhaltenstherapie war geöffnet – auch wenn John B. Watson selbst sie nie durchschritt.“ Denn eine Karriere nahm eine andere Richtung. Er wandte sich einer anderen Branche zu: der Werbung. Quelle: „Was dein Leben leichter macht“ von Sina Haghiri

Von Hans Klumbies