In seinen wissenschaftlichen Abhandlungen kritisierte Thomas Malthus den Utopismus zeitgenössischer Philosophen wie William Godwin und Nicolas de Condorcet – Vordenker des Zeitalters der Aufklärung – die eine unausweichliche Entwicklung der Menschheit hin zu einer vollkommenen Gesellschaft propagierten. Oded Galor weiß: „Im Jahr 1798 veröffentlichte Malthus seinen „Essay on the Principle of Population“ („Das Bevölkerungsgesetz“, in dem er seine tiefe Skepsis gegenüber diesen vorherrschenden und seiner Meinung nach naiven Ansichten bekundete.“ Ihnen stellte er seine pessimistische These entgegen, der zufolge sich die Menschheit auf lange Sicht nicht höher entwickeln könne, da jeder Fortschritt oder materielle Zugewinn am Ende vom Bevölkerungswachstum aufgezehrt werde. Der renommierte Ökonom Oded Galor untersucht in seinem neuen Buch „The Journey of Humanity“ die Entwicklungen, die zu Wohlstand und Ungleichheit führten.
Die Zunahme der Ressourcen führt zu mehr überlebenden Nachkommen
Thomas Malthus hatte einen enormen Einfluss auf seine Zeitgenossen. Oded Galor erklärt: „Einige der prominentesten Ökonomen jener Zeit, darunter David Ricardo und John Stuart Mill, waren von seinem Denken stark geprägt. Karl Marx und Friedrich Engels hingegen attackierten Malthus heftig, da er ihrer Meinung nach die Rolle der klassenprägenden Institutionen beim vorherrschenden Elend ignoriert habe.“ Die Väter der Evolutionstheorie wiederum, Charles Darwin und Alfred Russel Wallace, verdankten seiner Abhandlung ausdrücklich entscheidende Anregungen für die Entwicklung ihrer eigenen höchst einflussreichen Theorien.
Die Welt, die Thomas Malthus beschrieb, wie sie in der Vergangenheit existiert hatte, war durchaus korrekt. Oded Galor stellt fest: „Doch seine pessimistischen Vorhersagen über die Zukunft der Menschheut sollten sich als grundlegend falsch erweisen.“ Die malthusianische Hypothese beruht im Wesentlichen auf zwei Annahmen. Die erste lautet, dass die Zunahme der Ressourcen dazu führt, dass die betreffenden Populationen mehr überlebende Nachkommen haben, befördert durch die biologisch, kulturell und religiös bedingte Veranlagung zur Fortpflanzung und den Rückgang der Kindersterblichkeit, der mit einer besseren Ernährung einhergeht.
Die Größe der Bevölkerung passt sich an die verfügbaren Ressourcen an
Die zweite Annahme besagt, dass der Bevölkerungszuwachs eine Verschlechterung der Lebensbedingungen nach sich zieht, sofern der Lebensraum begrenzt ist. Oded Galor erläutert: „Malthus zufolge passt die die Größe einer Bevölkerung über zwei Mechanismen an die verfügbaren Ressourcen an: nachwirkende und vorbeugende Hemmnisse.“ Unter nachwirkenden Hemmnissen versteht Thomas Malthus den Anstieg der Sterblichkeit infolge einer zunehmenden Häufigkeit von Hungersnöten, Krankheiten und Kriegen um Ressourcen in Gesellschaften, deren Bevölkerung über ihre Nahrungsmittelproduktion hinaus gewachsen ist.
Mit den vorbeugenden Hemmnissen meint er den Rückgang der Geburtenrate in Zeiten der Knappheit, bedingt durch spätere Heirat und die Verwendung von Verhütungsmitteln. Haben technologische Fortschritte in vorindustrieller Zeit zu größeren, aber nicht reicheren Bevölkerungen geführt, wie es die malthusianische These impliziert? Oded Galor beantwortet die Frage wie folgt: „Aus den Daten geht eindeutig hervor, dass technologischer Fortschritt und Bevölkerungsgröße damals tatsächlich in einem Zusammenhang standen.“ Quelle: „The Journey of Humanity“ von Oded Galor
Von Hans Klumbies
