Unsere Kultur verbreitet drei große Mythen über den Zynismus

Jamil Zaki betont in seinem Buch „Hoffnung & Skepsis“: „Wir haben Gutes in uns, und das hat gute Auswirkungen auf uns.“ In letzter Zeit ist es jedoch schwieriger geworden , an das Gute im Menschen zu glauben. Noch stärker als ihr Vertrauen auf die Menschheit haben die Menschen ihr Vertrauen in die Institutionen verloren. Wo Vertrauen schwindet, macht sich Zynismus breit. Dabei zeigen sämtliche Studien, dass es der Zynismus ist, der an Beziehungen nagt, genau wie an Gemeinschaften, Volkswirtschaften und der Gesellschaft insgesamt. Die Frage ist, warum so viele von uns beim Zynismus landen, obwohl er uns selbst am meisten wehtut. Ein Grund besteht sicher darin, dass unsere Kultur dazu neigt, den Zynismus zu verherrlichen und seine Gefahren herunterzuspielen, indem sie drei große Mythen über ihn verbreitet. Dr. Jamil Zaki ist Professor für Psychologie an der Stanford University und Leiter des Stanford Social Neuroscience Lab.

Ein wirksames Mittel zur Bekämpfung des Zynismus ist der Skeptizismus

Mythos Nr. 1: Zynismus ist ein Zeichen von Klugheit. Mythos Nr. 2: Zynismus garantiert Sicherheit. Mythos Nr. 3: Zynismus orientiert sich an Moral. Unsere Überzeugungen haben Einfluss darauf, wie wir andere Menschen behandeln, was wiederum deren Verhalten beeinflusst. Gedanken verändern die Welt, und der Zynismus macht sie schäbiger, trauriger und kränker. Dagegen ist die Hoffnung eine Antwort auf Probleme, nicht ein Ausweichen vor ihnen. Wenn der Optimismus uns sagt, dass die Dinge besser werden, sagt uns die Hoffnung, dass sie besser werden könnten.

Ein wirksames Mittel zur Bekämpfung des Zynismus ist der Skeptizismus: ein Widerwille, Behauptungen ohne Beweise zu glauben. Zynismus und Skepsis werden oft verwechselt, aber sie könnten nicht unterschiedlicher sein. Jamil Zaki erläutert: „Zynismus ist ein Mangel an Vertrauen in Menschen; Skepsis ist ein Mangel an Vertrauen in unsere Vorannahmen.“ Zyniker finden die ganze Menschheit schrecklich; Skeptiker sammeln Informationen darüber, wem sie vertrauen können.

Jeder Mensch kann sich vom Zynismus befreien

Gegliedert hat Jamil Zaki sein Buch „Hoffnung & Skepsis“ in drei große Abschnitte. Der erste Abschnitt trägt den Titel: „Zynismus verlernen“. Über Abschnitt zwei steht die Überschrift: „Einander wiederfinden“. Der dritte Abschnitt heißt: „Die Zukunft der Hoffnung“. Im Nachwort schreibt Jamil Zaki: „In letzter Zeit betrachte ich mein Inneres, wie ein Experiment. Viele meiner schlimmsten Annahmen über Menschen haben sich bei näherer Betrachtung als falsch erwiesen. Viele der Daten, die ich gesammelt habe, sind positiver ausgefallen, als ich es erwartet hatte.“

Das hat den Autor nicht gleich über Nacht zu einem hoffnungsvollen Menschen gemacht. Aber langsam setzen sich neue Denk- und Handlungsgewohnheiten fest. Vertrauen wird selbstverständlicher. Offenheit fällt weniger schwer. Auch die Hoffnung war Jamil Zaki nie fremd, er hatte sie nur vergessen. Um sie zu kultivieren, muss er also nichts erfinden, sondern sich nur erinnern. „Hoffnung & Skepsis“ beschreibt, warum es immer wieder so verlockend ist, dem Zynismus nachzugeben, zeigt aber auch, wie wir uns von ihm befreien können.

Hoffnung & Skepsis
Das erstaunliche Wissen vom Guten im Menschen
Jamil Zaki
Verlag: Klett-Cotta
Gebundene Ausgabe: 412 Seiten, Auflage: 2025
ISBN: 978-3-608-96682-4, 26,00 Euro

Von Hans Klumbies