Politik wird oft als Kampf beschrieben. Und es stimmt ja: In der Politik geht es um Macht, darum, was das Sagen hat. Helene Bubrowski fügt hinzu: „Und da alle Politiker ehrgeizig sind – das gehört zur Grundausstattung für diesen Beruf –, können Machtfragen in aller Regel nicht im kollektiven Gespräch entschieden werden. Es geht da nicht gerecht zu, es gilt das Recht des Stärkeren.“ Eigene Fehler kann da niemand gebrauchen. Deshalb gehen viele Politiker mit ehren Fehlern ähnlich um wie Andreas Scheuer: abstreiten, zum Gegenangriff ansetzen. Es sind eingeübte Muster, abgeguckt bei politischer Urvätern, auch deren große Zeit lange zurück liegt. Für CSU-Politiker ist Franz Josef Strauß immer noch ein Vorbild. Helene Bubrowski arbeitet als Politikkorrespondentin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Berliner Hauptstadtbüro.
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Passende Bücher bei Amazon findenEdmund Stoiber sprach einmal über eigene Fehler
Markus Söder hatte über seinem Jugendbett ein Poster von Franz Josef Strauß an die Wald geklebt, wie ein Foto beweist, das Söder selbst auf Facebook veröffentlicht hat. „Strauß, dieses Kraftuhrwerk, dieser Titan der Worte, hat mir unheimlich gut gefallen“, hat Söder dem „Focus“ mal erzählt. Andreas Scheuer fährt in seinem Passauer Wahlkreis mit dem BMW 325ix herum, Baujahr 1987, der einst Strauß gehörte. Helene Bubrowski blickt zurück: „An ein Ereignis aus den Neunzigern können sich viele Christsoziale noch erinnern, weil es so außergewöhnlich war.“
Dabei handelte es sich um eine Pressekonferenz, in der Edmund Stoiber, damals bayerischer Ministerpräsident, auf einmal über eigene Fehler sprach. In der Öffentlichkeit kam die Transparenzoffensive gut an, aber die Basis der CSU war irritiert. Helene Bubrowski erklärt: „Typen wie Strauß und Scheuer werden „Vollblutpolitiker“ genannt. Gemeint ist: Wer mit Leib und Seele dabei ist, wer für die Partei und für die Sache kämpft, kann sich nicht ständig kritisch hinterfragen.“
Ein Politiker muss ein Typ sein und Everybody´s Darling
„Zu Kreuze kriechen“ würden Politiker sagen, die so denken. Einen Shitstorm zu überstehen, ist nach dieser Denke die „Feuertaufe“. Bloß nicht allen gefallen wollen. „Ein Politiker muss ein Typ sein und Everybody´s Darling“, so hat es der frühere CDU-Chef Host Seehofer einmal gesagt. Helene Bubrowski erläutert: „Solche Selbstbeschreibungen sagen viel aus über das Bild, das Politiker von ihrer Wählerschaft haben: Dass auch die Leute, die ihre Kinder auf Waldorfschulen schicken, sich in der Wahlkabine für die Machertypen entscheiden.“
Für die, die nicht den Eindruck vermitteln, beim leisesten Gegenwind einzuknicken, die keine Angst haben, sich mit den Diktatoren dieser Welt an einen Tisch zu setzen, wenn nötig, auch draufzuhauen. Helene Bubrowski ergänzt: „So macht Politik sich selbst zum Holzschnitt. Wer breitbeinig auftritt, ist noch lange kein guter Verhandler. Wer auf den Tisch haut, hat vielleicht einfach keine Argumente mehr.“ Horst Seehofer steht Andreas Scheuer in puncto Fehlerabstreiten in nichts nach. Quelle: „Die Fehlbaren“ von Helene Bubrowski
Von Hans Klumbies
