In Amerika gibt es eine starke Verflechtung von Geld und Politik

Die wachsende Macht des Geldes ist die vielleicht größte Schwäche des amerikanischen politischen Systems, sodass es sich eher mit dem Schlagwort „ein Dollar, eine Stimme“ als mit „eine Person, eine Stimme“ beschreiben lässt. Joseph Stiglitz schreibt: „Wir alle kennen die Komponenten dieser Verflechtung von Geld und Politik: Lobbyisten, Wahlkampfspenden, „Drehtüren“ zwischen Politik und Wirtschaft und von den Reichen kontrollierte Medien.“ Wohlhabende Privatpersonen und reiche Konzerne nutzen ihre Finanzkraft, um sich politische Macht zu kaufen und ihre Ideen zu verbreiten, manchmal sogar mit „Fake News“. Fox News ist zum Symbol dafür geworden, und seine Macht ist mittlerweile gut dokumentiert. Joseph Stiglitz war Professor für Volkswirtschaft in Yale, Princeton, Oxford und Stanford. Heute lehrt er an Columbia University in New York und ist ein weltweit geschätzter Experte zu Fragen von Ökonomie, Politik und Gesellschaft.

Die Ölkonzerne bestahlen heimlich das amerikanische Volk

Leute mit Geld nutzen dieses, um sich durch das politische System noch mehr Reichtum zu sichern. Joseph Stiglitz nennt ein Beispiel: „Die Ölkonzerne erhielten Zugang zu Liegenschaften im Eigentum des Bundes, die Erdölvorkommen und andere Bodenschätze bergen, und mussten nur einen Bruchteil des Werts dieser Ressourcen zahlen.“ Das war nichts anderes als Diebstahl am amerikanischen Volk – aber es war ein heimlicher Diebstahl, denn nur wenige Amerikaner wussten, dass sie übervorteilt wurden.

Als die Regierung von Bill Clinton diese Konzerne zwingen wollte, einen Preis zu zahlen, der dem tatsächlichen Wert der Bodenschätze entsprach, starteten die Konzerne eine erfolgreiche Kampagne, um sich die Ressourcen Amerikas auch weiterhin billig unter den Nagel reißen zu können. Joseph Stiglitz stellt zudem fest: „Während Unternehmen dem Staat für die Überlassung öffentlicher Vermögenswerte zu wenig zahlen, bezahlt die öffentliche Hand für das, was sie von Privatunternehmen kauft, zu viel.

Die Macht des Geldes lässt sich in Amerika nur schwer bekämpfen

Die Pharmaunternehmen brachte eine kleine Klausel in einem Gesetz unter, das die Versorgung älterer Menschen mit Medikamenten im Rahmen von Medicare regelt. Joseph Stiglitz kennt sie: „Die US-Regierung, der größte Käufer von Arzneimitteln weltweit, durfte den Preis nicht herunterhandeln. Durch diese und andere Bestimmungen wollten Pharmaunternehmen höhere Preise durchsetzen und höhere Gewinne erwirtschaften.“ Es funktionierte. Medicare-Medikamente kosten viel mehr als zum Beispiel jene, die von anderen staatlichen Programmen wie etwa Medicaid bereitgestellt werden.

Für die gleichen Markenmedikamente zahlt Medicare 73 Prozent mehr. Dies führt im Ergebnis dazu, dass Steuerzahler jedes Jahr den Pharmakonzernen zig Milliarden Dollar zusätzlich hinblättern. Viele Politiker und einige der größten Parteispender wissen, dass ihr Vermögen vom Wohlwollen der Öffentlichkeit abhängt. Joseph Stiglitz fügt hinzu: „Wenn die Behörden allzu aggressiv gegen Geldwäsche vorgingen, würde ihr Gewinn einbrechen.“ Es ist jedoch nicht leicht, die Macht des Geldes innerhalb der amerikanischen demokratischen Ordnung zu bekämpfen. Quelle: „Der Preis des Profits“ von Joseph Stiglitz

Von Hans Klumbies