In jeder Gruppe gibt es zwei Arten von Menschen – Diminisher, also Leute, die andere kleinmachen und Illuminatoren, die andere erleuchten. David Brooks fügt hinzu: „Diminisher vermitteln anderen das Gefühl, klein und ungesehen zu sein. Sie betrachten ihre Mitmenschen als Dinge, die sie benutzen, und nicht als Personen, mit denen sie sich anfreunden können.“ Sie sind ignorant und ordnen Menschen in Schubladen ein. Und sie sind so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass sie andere einfach nicht wahrnehmen. Illuminatoren dagegen zeigen stets großes Interesse an ihren Mitmenschen. Sie haben gelernt – oder sich selbst beigebracht –, andere zu verstehen. Sie wissen, worauf sie achten müssen und wie sie die richtigen Fragen zum richtigen Zeitpunkt stellen. Der US-amerikanische Erfolgsautor David Brooks ist Kolumnist bei der „New York Times“ sowie Kommentator bei „PBS Newshour“.
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Passende Bücher bei Amazon findenDie meisten Menschen gehen voller sozialer Ignoranz durchs Leben
Sie lassen das Licht ihrer Fürsorge auf ihre Mitmenschen strahlen, sodass diese sich größer, bedeutender, respektiert und erleuchtet fühlen. Über den Schriftsteller E. M. Forster schrieb sein Biograf: „Wer mit ihm sprach, wurde von einem umgekehrten Charisma verführt, dem Gefühl, mit einer solchen Intensität gehört zu werden, dass man sein ehrlichstes, intelligentestes und bestes Selbst sein musste.“ Die meisten Menschen gehen allerdings laut David Brooks voller sozialer Ignoranz durchs Leben.
Der Wissenschaftler William Ickes befasst sich mit der Frage, wie genau man wahrnehmen kann, was andere denken. David Brooks stellt fest: „Laut ihm schätzen sich Fremde, die zum ersten Mal miteinander sprechen, nur in rund 20 Prozent der Fälle gegenseitig richtig ein, während das engen Freunden und Angehörigen nur zu 35 Prozent der Fälle gelingt.“ William Ickes bewertet die „Empathiegenauigkeit“ seiner Testpersonen auf eine Skala von 0 bis 100 Prozent und erkennt große Unterschiede zwischen den einzelnen Personen.
Manche Menschen können andere ziemlich gut einschätzen
Bei manchen liegt der Wert bei null. Wenn diese Personen sich zum ersten Mal mit jemandem unterhalten, haben sie keine Ahnung, was ihr Gegenüber tatsächlich denkt. David Brooks ergänzt: „Manche hingegen können andere Menschen ziemlich gut einschätzen und erreichen etwa 55 Prozent. Problematisch dabei ist, dass diejenigen, die andere schlecht einschätzen können, sich für genauso gut halten wie diejenigen, denen das ziemlich gut gelingt.“
Interessanterweise stellt William Ickes fest, dass sich Ehepaare immer schlechter lesen können, je länger sie verheiratet sind. David Brooks erläutert: „Sie haben ein frühe Version ihres Partners oder Partnerin verinnerlicht, an der sie auch nach vielen Jahren noch festhalten, obwohl der Mensch sich verändert hat. Das hat zur Folge, dass sie immer weniger Bescheid wissen, was im Herzen und im Kopf des anderen tatsächlich vor sich geht.“ Man braucht keine wissenschaftliche Studie, um zu erkennen, dass das stimmt. Quelle: „How to Know a Person“ von David Brooks
Von Hans Klumbies
