Gerade wenn man sich fragt, ob es möglich ist zu hoffen, darf man nicht von falschen Voraussetzungen oder frommen Illusionen ausgehen, sondern muss klar sehen, wo wir stehen und was auf uns zukommt, in welcher Welt man auf diese Hoffnung zurückgreifen wird. Ist Hoffnung deswegen unmöglich? Philipp Blom schreibt: „Sagen wir es so: Wenn du dich auf die Suche nach einer klugen Form der Hoffnung begeben willst, einer Möglichkeit einer solchen Hoffnung, wird es wichtig sein zu verstehen, wo du stehst, und zu erkennen, dass Hoffnung auch bedeutet, Risiken einzugehen, und dass diese Risiken verwundbar machen.“ Zu diesen Risiken gehört, dass man im Voraus nicht wissen kann, ob sich der Einsatz lohnen wird und ob die Hoffnung nicht zertrampelt oder bis zur Unkenntlichkeit entstellt wird. Philipp Blom studierte Philosophie, Geschichte und Judaistik in Wien und Oxford. Er lebt als Schriftsteller und Historiker in Wien.
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Passende Bücher bei Amazon findenHoffnung ist oft ambivalent und schwer zu erkennen
Politische Hoffnungen verlangen einen langen historischen Atem, denn die wenigsten Menschen, die in der Vergangenheit versucht haben, etwas zu verändern, haben es auch geschafft. Philipp Blom stellt fest: „Andererseits kannst du dein Leben nur leben, weil zahllose Menschen vor uns gehofft und gekämpft haben für Dinge, die völlig unrealistisch und unerhört waren.“ Von den meisten dieser Helden kennen wir nicht einmal mehr den Namen, und die wenigsten von ihnen haben erreicht, wofür sie gekämpft haben.
Viele sind in der Überzeugung gestorben, dass sie gescheitert sind, dass ihre Hoffnung nicht realisierbar war. Philipp Blom betont: „Aber nur weil sie alle Teil einer Kette der hoffnungslosen Hoffnung geworden sind, gibt es heute Länder, in denen Menschen frei ihre Gedanken äußern können, frei und gemeinsam über ihre Zukunft entscheiden können – zumindest im Prinzip.“ Hoffnung ist oft ambivalent und schwer zu erkennen, schreibt Rebecca Solnit.
Große Hoffnungen politisch umzusetzen ist immer schwierig
Denn die Hoffnung webt ein eigenes, sozusagen unterirdisches Netz an Geschichten und Verbindungen, das auf den ersten Blick nicht sichtbar ist. Philipp Blom fügt hinzu: „Es ist wie ein Wurzelgeflecht, das durch die Geschichte wächst, ein unterirdisches Myzel, von dem wir nicht nur die Früchte sehen, die über der Erde als Pilze plötzlich aus dem Boden zu schießen scheinen.“ Der Arabische Frühling allerdings hat nicht zu dauerhaftem positiven Wende in der Region geführt, im Gegenteil.
Während der Aufstände kamen 60.000 Menschen ums Leben, und auch der Zusammenbruch Libyens und der fürchterliche syrische Bürgerkrieg gehören zu seinen Konsequenzen. Philipp Blom weiß: „Heute ist die Situation in den meisten arabischen Ländern im Mittelmeerraum verzweifelt, und die Staaten agieren autoritärer denn je.“ Große Hoffnungen politisch umzusetzen ist immer schwierig, frustrierend und langwierig, und die Resultate werden nie von allen Seiten anerkannt. Quelle: „Hoffnung“ von Philipp Blom
Von Hans Klumbies
