Hermann Hesses Ansichten über Krieg und Frieden

Hermann Hesse stimmt jenen zu, die den Krieg den natürlichen Urzustand nennen. Da der Mensch ein Tier ist, lebt er durch den Kampf, auf Kosten anderer und fürchtet und hasst seine Mitmenschen. Leben ist also Krieg. Der Friede ist laut Hermann Hesse viel schwerer zu definieren. Der Friede ist seiner Meinung nach weder ein paradiesischer Urzustand, noch eine Form des geregelten Zusammenlebens, über das sich die Menschen verständigt haben. Hermann Hesse schreibt: „Friede ist etwas, was wir nicht kennen, was wir nur suchen und ahnen. Friede ist ein Ideal. Er ist etwas unsäglich Kompliziertes, Labiles, Bedrohtes – ein Hauch genügt, um ihn zu zerstören.

Das mächtige Gebot: „Du sollst nicht töten“

Dass auch nur zwei Menschen, die aufeinander angewiesen sind, in wahrem Frieden miteinander leben, ist für Hermann Hesse seltener und schwieriger als jede andere ethische oder intellektuelle Leistung. Dennoch ist der Friede, als Wunsch und Gedanke, als Ideal und Ziel, schon sehr alt. Das mächtige Gebot „Du sollst nicht töten“ gibt es schon seit Jahrtausenden. Hermann Hesse erklärt: „Dass der Mensch zu solchen Worten, solch ungeheuerer Forderung fähig ist, das kennzeichnet ihn mehr als jedes andere Merkmal, es scheidet ihn vom Tier, trennt ihn scheinbar von der Natur.“

Der Mensch ist für Hermann Hesse wegen solch mächtiger Worte kein Tier, sondern etwas Werdendes, ein Versuch, eine Ahnung und Zukunft, Wurf und Sehnsucht der Natur nach neuen Formen und Möglichkeiten. Das Gebot „Du sollst nicht töten“ war seiner Meinung nach zur Zeit, als es aufgestellt wurde, eine Forderung von ungeheuerstem Umfang. Hermann Hesse erklärt: „Es war nahezu gleichbedeutend mit: „Du sollst nicht atmen!“ Es war scheinbar unmöglich, scheinbar wahnsinnig und vernichtend.“ Und dennoch hat dieses Gebot bis in die Gegenwart überdauert.

Kein Krieg schützt zukünftige Generation vor weiteren Kriegen

Laut Hermann Hesse ist das Gebot „Du sollst nicht töten“ nicht die starre Forderung eins lehrhaften Altruismus. Denn Altruismus kommt in der Natur nicht vor. Es heißt auch nicht, dem anderen nicht weh zu tun. Hermann Hesse erläutert: „Es heißt: du sollst dich selbst des Andern nicht berauben, du sollst dich selbst nicht schädigen!“ Der Andere ist ja kein Fremder, der beziehungslos auf dieser Welt lebt. Hermann Hesse ist davon überzeugt, dass die Anderen für den Menschen nur dann da sind, wenn er sie sieht, sie fühlt und zu ihnen Beziehungen unterhält. Er schreibt: „Aus Beziehungen zwischen mir und der Welt, den Anderen, besteht ja einzig mein Leben.“

Für völlig falsch hält Hermann Hesse die Meinung, dass ein Krieg durch seinen bloßen Umfang und seine grässliche Riesenmechanik dazu geeignet ist, künftige Generationen vom Kriege abzuschrecken. Abschreckung ist für ihn kein Erziehungsmittel. Hermann Hesse schreibt: „Wem das Töten Spaß macht, dem wird es durch keinen Krieg verleidet. Auch die Einsicht in den materiellen Schaden, den der Krieg anrichtet, wird gar nichts helfen.“ Denn die Handlungen der Menschen haben nur in ihrem geringsten Teil etwas mit Rationalität zu tun.

Von Hans Klumbies

Ein Gedanke zu „Hermann Hesses Ansichten über Krieg und Frieden

  • 28. Juli 2014 um 20:58
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    Heißt Hans.. Liebe gruesse aus Laufen, in ÖBB
    😉 tolle Seite. Nach wie vor. Jab eine Freundin gerade in den schlaf gelesen.
    MFG tom

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