Die Globalisierung hat ihre Versprechen nicht gehalten

Die Globalisierung ist mit ein paar Versprechen angetreten. Wohlstand für alle – oder zumindest für immer mehr Menschen. Ausbreitung von Frieden, Freiheit und Demokratie, Beseitigung von Armut sowie Stärkung der individuellen Freiheiten. In ihrem programmatischen Unterfutter, dem „Washington Consensus“ von 1989/90 war sogar vom Abbau von Ungleichheit die Rede. Herbert Renz-Polster fügt hinzu: „Und tatsächlich lagen ja die Chancen geradezu am Wegrand. Die postkoloniale Ordnung war aufgebrochen, mit dem Ende der Sowjetunion hatte die Welt einen echten humanitären Quantensprung geschafft.“ Die nun offeneren Grenzen hätten in der Tat auf offenere Grenzen für mehr Gerechtigkeit, ja, sogar für ein neues, nun wirklich postkoloniales Verhältnis zwischen Nord und Süd sein können. Der Kinderarzt Dr. Herbert Renz-Polster hat die deutsche Erziehungsdebatte in den letzten Jahren wie kaum ein anderer geprägt.

Autoritäre Ordnungsstaaten sind auf dem Vormarsch

Keines der Versprechen wurde gehalten. Heute, nach einer geradezu irren, noch nie dagewesenen wirtschaftlichen Expansionsphase, haben im Jahr 2017 rund 68 Millionen Menschen ihre Heimat verlassen – so viele wie noch nie. Rund um die Erde sind statt liberaler Demokratien autoritäre Ordnungsstaaten auf dem Vormarsch. Anders als im Lehrbuch vorgesehen, ist das obere Ende der Wertschöpfungskette heute komplett von Monopolen geprägt.

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Herbert Renz-Polster kritisiert: „Die Finanzindustrie, die Agrarindustrie, die Pharmaindustrie, die IT-Industrie. Alle „too big to fail“, und damit von den Gesellschaften nicht mehr steuerbar.“ Keine der Zukunftsfragen ist beantwortet, keiner weiß wie es weitergehen soll. Die Zahl der bewaffneten Konflikte sowohl zwischen Staaten als auch innerhalb von Staaten hat seit Beginn der Globalisierung deutlich zugenommen. So deutlich, dass Historiker von einer „Globalisierung der Gewalt“ sprechen. Die Zahl der Hungernden ist zwar zurückgegangen, allerdings in einem beschämend bescheidenen Umfang.

Der soziale Stress macht auf vor der Kindheit nicht halt

Der ökologische Zustand der Erde hat sich in fast allen Dimensionen verschlechtert. Von der Gesundheit der Weltmeere, über die Stabilität und Nachhaltigkeit des Weltklimas, den Waldbestand bis zum Zustand der weltweit nutzbaren Ackerkrume. Und der seelische Zustand der Gesellschaften? Herbert Renz-Polster gibt eine Antwort: „Die zunehmende Individualisierung bedeutet für die Gesellschaften oft genug eben auch zunehmende Konkurrenz, Entsolidarisierung, und sozialen Stress. Und der macht auch vor den Kindheiten nicht halt.“

Tatsächlich hat der beschleunigte globalisierte Wettbewerb einen neuen, beschleunigten Phänotyp von Kindheit hervorgebracht. Es handelt sich dabei um kontrollierte, „entmutterte“, in weiten Teilen in eine pädagogische Planwirtschaft eingegliederte Kindheiten. In den meisten OECD-Ländern verbringen die Kinder heute den überwiegenden Teil ihrer Kindheit unter der fast lückenlosen Aufsicht speziell geschulter Erwachsener, die ihnen beim Erwerb von Bildungszertifikaten behilflich sind. Sie benoten sie nach ihrer Eignung in der modernen Wettbewerbskette und reichen sie an das nächste Glied der Bildungskette weiter. Quelle: „Erziehung prägt Gesinnung“ von Herbert Renz-Polster

Von Hans Klumbies