Das Streben nach Gewinn erschien als Selbstzweck

Hans-Jürgen Jakobs weiß: „Karl Marx war der Erste, der prognostiziert hat, dass immer weniger Unternehmen einen Markt immer stärker beherrschen werden. Dass sie Kapital akkumulieren, um die Arbeiter besser ausbeuten zu können.“ So jedenfalls legte es das „absolute, allgemeine Gesetz der Kapitalakkumulation“ nahe, das Karl Marx formuliert hat. Das Streben nach Gewinn erschien als Selbstzweck, vom Autor stark ironisiert: „Akkumuliert! Akkumuliert! Das ist Moses und die Propheten.“ Dabei glaubte Karl Marx, die von den Kapitalisten erreichte „Profitrate“ würde unweigerlich immer weiter sinken. Nach einem „Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate“ hängt das von zwei Faktoren ab. Einmal vom stärkeren Einsatz von Maschinen, welche die wertschöpfende menschliche Arbeitskraft ersetzen würden. Hans-Jürgen Jakobs ist Volkswirt und einer der renommiertesten Wirtschaftsjournalisten Deutschlands.

Großunternehmen teilen die Märkte unter sich auf

Und zum zweiten durch die Konkurrenz der Kapitalisten untereinander, die sich permanent unterbieten und Kosten senken würden. Dieses System tendiere zum Verdrängungswettbewerb, in dem Oligopole wachsen und klein Unternehmen weichen würden. Konkurrenz führt nach dieser Logik dazu, dass Konkurrenz verschwindet. Das ist eine Erkenntnis, die Karl Marx in seinem Hauptwerk „Das Kapital“ vertritt. Vor allem Friedrich Engels kritisierte die Konzentration und die Zentralisation des Kapitals. Der Fabrikantensohne war Co-Autor von Karl Marx beim „Kommunistischen Manifest“.

Großunternehmen würden Märkte unter sich aufteilen und Absprachen über Preise, Löhne und Produktionsmengen treffen, und das auf Kosten kleinerer und mittlerer Unternehmen. Friedrich Engels kritisiert: „Hier schlägt die freie Konkurrenz um ins Monopol.“ Das „monopolistische Endstadium des Kapitalismus“ sah einige Jahrzehnte später, 1916, Wladimir Iljitsch Lenin im „Imperialismus“ erreicht. Hans-Jürgen Jacobs erläutert: „Das Kapital monopolistischer Großbanken und Industriellenverbände sei verschmolzen. Monopole und Kartelle bestimmten das Wirtschaftsleben.“

Monopole führen zu Stagnation und Fäulnis

Die Hauptprofite würden den „Genies“ der „Finanzmachenschaften“ zufallen. Eine Kaste von „Rentiers“ wachse hier heran, Müßiggänger, die vom „Couponschneiden“ lebten. Und die wenigen Verbliebenen teilten die Welt auch noch mit einer brutalen Kolonialpolitik auf. Wettbewerbe sei allerdings dem Sozialismus wesenseigen, glaubte Wladimir Iljitsch Lenin. Es handle sich ja um eine andere, bessere, nicht mehr entfremdete Arbeit. Das hat sich, wie Hans-Jürgen Jacobs weiß, als schwerer Irrtum herausgestellt.

Aber Wladimir Iljitsch Lenin Erkenntnis, wonach jedes Monopol „unvermeidlich die Tendenz zur Stagnation und Fäulnis“ erzeuge und schlecht sei für den Fortschritt, dürfte von jedem liberalen Marktwirtschaftler geteilt werden. Die Art und Weise, wie heutzutage die großen Finanzinvestoren à la Blackrock Firmenübernahmen pushen, um in immer größeren Einheiten von Skaleneffekten zu profilieren, riecht nach „organisiertem Kapitalismus“. Es sieht zumindest nach einem gelenkten Kapitalismus aus. Schließlich beruht die Konzentration der Digitalwirtschaft auf gerade mal fünf maßgeblichen Teilnehmern in der vorgeblich freien Marktwirtschaft auf einem Automatismus. Quelle: „Das Monopol im 21. Jahrhundert“ von Hans-Jürgen Jakobs

Von Hans Klumbies

Schreibe einen Kommentar