Hadija Haruna-Oelker kennt den Wert der Freiheit

Der wichtigste Wert von Hadija Haruna-Oelker ist die Freiheit: „Verstöße dagegen begehen im Extremfall Extremisten. In meinem Alltag verstoßen dagegen auch Menschen mit diskriminierendem oder menschenfeindlichem Verhalten.“ Hadija Haruna-Oelker fühlt sich mehrfachzugehörig, mehrstaatlich grenzenlos. Sie zählt zu einer Generation, die sich selbstbestimmte Namen gibt, die ein Verständnis dafür einfordert, dass noch nie alle Deutschen „weiß“ waren und „unsere Werte“ neu überdacht werden müssen. Ihre Werte sind vielfältig, interkontinental. Sie ist das Kind einer christlich-deutsch sozialisierten Mutter der Fünfziger-Nachkriegsgeneration und eines muslimisch-ghanaisch sozialisierten Vaters der Vierziger-Postkolonial-Generation. Hadija Haruna-Oelker ist das, was sie ist. Sie ist politisch Schwarz. Es ist eine Lebenserfahrung, die sie weltweit mit Menschen unterschiedlicher Herkunft und kulturellen Hintergründen verbindet. Hadija Haruna-Oelker lebt als Autorin, Redakteurin und Moderatorin in Frankfurt am Main. Hauptsächlich arbeitet sie für den Hessischen Rundfunk.

Die Biografie kann ein Gewinn sein

Hadija Haruna-Oelker wusste erst, dass sie Schwarz ist, als weiße Menschen ihr ihr Anderssein vermittelten. Und ihr Aussehen an etwas Biologisches knüpften. Hadija Haruna-Oelker schreibt: „Ich bin ein Konstrukt, das je nach Kontext anders gelesen wird. Meine Biografie ist ein Gewinn, kein Defizit. Integration ist für mich kein Thema. Und die vieldiskutierte Sorge über unsere sich verändernde Gesellschaft ist für mich Ausdruck eines Hilferufs in einer komplexer werdenden Welt.“

Grundlage ist für Hadija Haruna-Oelker, mit dem Verbindenden zu beginnen: mit der Menschenwürde und humanistischen Werten. Die sind wichtig, aber brüchig. Wer gehört zum „Wir“ der deutschen Gesellschaft und wer nicht? Dies diskutierte man in unzähligen Debatten nach den rassistisch motivierten Hetzjagden in Chemnitz und 2015 während der vielfach gestiegenen Zahl von nach Europa flüchtenden Menschen. Heutzutage müssen sich Seenotretter vor Gericht und der öffentlichen Meinung für ihre Taten rechtfertigen.

Krisen bestärken immer auch Vorurteile

Renommierte Medienhäuser sind auf die Idee gekommen, darüber zu diskutieren, ob man ertrinkende geflüchtete Menschen im Mittelmeer noch retten darf oder ob daraus Pull-Faktoren für Migration entstünden. Ihr Tod würde als Signal andere davon abhalten, die gefährliche Reise für ein besseres Leben anzutreten. Man erörterte auch die Frage, ob Eltern und ihre Kinder im abgebrannten, menschenverachtenden Lager von Moria unterstützt werden sollten, weil sie aufgrund einer Brandstiftung selbst schuld an ihrer Lage seien.

Hadija Haruna-Oelker kritisiert: „Wir leben in Zeiten, in denen Menschenleben einfach so entwertet werden können, genauer gesagt das Leben von Menschen, die keine Europäer sind.“ Im Jahr 2010 hatte die Mitte-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung einen erneuten Anstieg von Islamfeindlichkeit und Antisemitismus in Deutschland festgestellt. Der Konfliktforscher Andreas Zick erklärte die Zahlen damit, dass gesellschaftliche Krisen, nachdem sie überstanden sind, immer auch Vorurteile bestärken. Quelle: „Die Schönheit der Differenz“ von Hadija Haruna-Oelker

Von Hans Klumbies

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