Der Kern der weltweiten Finanzkrise ist eine Schuldenkrise

Mit der Deregulierung der Finanzmärkte wurde das Versprechen zusätzlichen Wohlstand zu schaffen nicht eingelöst. Denn es wurden in großem Umfang keine Vermögen, sondern nur Scheinvermögen geschaffen. Ein relevanter Teil des Wachstums der letzten Jahre hat gar nicht wirklich stattgefunden. Gerhard Schick erklärt: „Immer wenn Banken über einen längeren Zeitraum hinweg überdurchschnittlich viele Darlehen vergeben, steigt die Wahrscheinlichkeit von Finanzkrisen drastisch an.“ Dabei sind es nicht irgendwelche Kredite, die gefährlich werden, sondern spekulative. Es ist also gesamtwirtschaftlich von größter Bedeutung, wofür Kredite benutzt werden. Es kann eigentlich nur solange gut gehen, wie die Fähigkeit einer Volkswirtschaft, Erträge zu erwirtschaften, in mindestens gleichen Maße steigt wie die Schulden. Der grüne Politiker Gerhard Schick zählt zu den versiertesten Ökonomen im Deutschen Bundestag.

Die Deutschen besitzen ein Vermögen von fünf Billionen Euro

Der Kern der Finanzkrise ist für Gerhard Schick relativ einfach zu erfassen: „Es ist eine Schuldenkrise. Die gesamtwirtschaftliche Verschuldung stieg in den Industrieländern von 167 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung im Jahr 1980 auf 314 Prozent im Jahr 2010 – fast eine Verdopplung in 30 Jahren!“ In Deutschland stieg die Schuldenquote während dieses Zeitraums von 136 auf 241 Prozent. Diese Zahlen beziehen sich auf die Gesamtverschuldung eines Landes. Es ist nämlich elementar, nicht nur die Staatsschulden im Blick zu haben, sondern auch die Verbindlichkeiten der Privathaushalte und der Unternehmen außerhalb des Finanzsektors.

Denn in allen dieser Bereiche muss ja Geld für Zinsen und Tilgung der Kredite erwirtschaftet werden. Manche Ökonomen erklären die Finanzkrise mit einem Zuviel an Geld. Gerhard Schick stimmt dieser Annahme zu: „Auch das ist nicht falsch. Denn mit dem Geld ist es so eine Sache. Alle wollen viel haben, aber wenn alle viel davon haben, geht es allen schlecht.“ Als Deutschland im Jahr 1923 in der Phase der Hyperinflation sehr viel Geld hatte, war die Wirtschaft ruiniert. Auch heute haben die Deutschen zu viel Geld. Das Privatvermögen summierte sich im Jahr 2013 auf stolze fünf Billionen Euro.

Reichtum kann nicht aus dem Geldsystem kommen

Die Deutschen wurden dabei schneller reicher als die Wirtschaft, was allerdings langfristig nicht funktioniert. Gerhard Schick nennt den Grund: „ Denn der eigentliche wirtschaftliche Reichtum kann nur aus der wirtschaftlichen Leistung, nicht aus dem Geldsystem kommen.“ Die Schulden der einen sind die Vermögen der anderen. Die Staatsanleihe ist Vermögen für den Sparer und zugleich eine Schuld des Staates. Das es zu viele Schulden gibt und zu viel Vermögen ist für Gerhard Schick also ein und dasselbe Phänomen.

Geldvermögen kann es für einen also nur geben, wenn ein anderer der Schuldner ist – sei es der Staat, ein Unternehmen oder ein Häuslebauer. Gerhard Schick erläutert: „Schulden sind im Kern nichts anderes als das Versprechen auf eine in der Zukunft zu erbringende Leistung. Und die Versprechen von Banken und Zentralbanken nennen wir landläufig Geld.“ Ein Geldschein ist eine Schuldverschreibung der Zentralbank. Würden alle Schulden beglichen, gäbe es im Umkehrschluss also auch kein Geld und keine Geldvermögen mehr.

Von Hans Klumbies

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