Arthur Schopenhauer kennt sein „Ich“

Ich kenne mein „Ich“ durchaus, sagt Arthur Schopenhauer. Wenn er in sein Inneres hineinschaut, sieht er allerdings keine Vernunft. Sondern er erblickt eine Dynamik von Hunger, Begierde und Strebenskraft. Er sieht, dass darin alles zutiefst nach seinem Willen bewegt wird. Viel stärker als die Vernunft, die ihn mit Mühe in Schach zu halten versucht, offenbart sich der Wille als die tiefste Wahrheit des Dings-an-sich. Und das ist das Ich. Ger Groot ergänzt: „Damit offenbart sich auch, was die Wirklichkeit in sich selbst ist.“ Dank des Blicks, den Arthur Schopenhauer in die Realität seines „Ichs“ werfen kann, weiß er nun auch, wie diese Welt-an-sich aussieht. Sein Ich ist schließlich Teil dieser Wirklichkeit. Ger Groot lehrt Kulturphilosophie und philosophische Anthropologie an der Erasmus-Universität Rotterdam und ist Professor für Philosophie und Literatur an der Radboud Universität Nijmegen.

Arthur Schopenhauer ist der populärste Philosoph Europas

Daher rührt der Titel des großen Werkes, mit dem Arthur Schopenhauer 1818 die Aufmerksamkeit der philosophischen Gemeinschaft auf sich zu lenken hoffte: „Die Welt als Wille und Vorstellung“. Was man sieht – die Vorstellung von der Welt – ist ein geordnetes, vernünftiges Ganzes. Doch was sie ist, ist eine wilde Dynamik von Kräften. Diese streben völlig anarchistisch und unbezähmbar bloß nach dem, was sie begehren oder wollen. Es sollte bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts dauern, bevor man auf Arthur Schopenhauers Denken wirklich aufmerksam wurde.

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Anfangs wird sein Stern ganz vom überwältigenden Glanz Hegels überstrahl, den er glaubte von seinem Thron stoßen zu können. Doch nachdem er sich einmal einen Namen gemacht hat, gibt es kein Halten mehr. Auf seine alten Tage wird Arthur Schopenhauer der bei Weitem meistgelesene und populärste Philosoph Europas. Das sollte bis zum Ersten Weltkrieg so bleiben. Sein Einfluss ist enorm. Er reicht vom Komponisten Richard Wagner bis zum jungen Philosophen Friedrich Nietzsche.

Das Leben ist Leiden

Selbst der revolutionäre Psychologe Sigmund Freud wird von Arthur Schopenhauer beeinflusst. Dessen „Unbewusstes“ trägt die gleichen Charakterzüge wie jene, die Arthur Schopenhauer seinem „Weltwillen“ zuschreibt. Die gesamte europäische Kultur, innerhalb und außerhalb des deutschen Sprachraums, gerät in seinen Bann. Hinter der Wirklichkeit verbirgt sich weder ein Einheit schaffendes Prinzip noch Harmonie oder Schöpfungswille und auch kein Gott mehr.

Und daher darf der Mensch auch nicht länger auf eine letztendliche Versöhnung und Erlösung hoffen. Arthur Schopenhauers Metaphysik führt unweigerlich zu folgendem Schluss: Die Uneinigkeit, der Widerstreit und die innere Zerrissenheit des Menschen sind unaufhebbar. Denn die Wirklichkeit selbst verfügt nun einmal über keinen harmonischen Sammelpunkt, in dem sich alles mit allem versöhnen könnte. Das Leben ist Leiden, schlussfolgert Arthur Schopenhauer. Dieser Schmerz wird nur umso heftiger, je stärker man sich gegen diese pessimistische Einsicht zur Wehr setzt. Quelle: „Und überall Philosophie“ von Ger Groot

Von Hans Klumbies