Gehard Wolf weist auf das sinkende Niveau an Hochschulen hin

Gerhard Wolf, Germanist mit den Schwerpunkten Mittelalter und Frühe Neuzeit von der Universität Bayreuth, hat Professoren über das Niveau ihrer Studenten befragt und erhielt besorgniserregende Antworten. Etwa 70 Dozenten beteiligten sich an der Studie. Die meisten von ihnen beklagten, dass viele Studenten heutzutage nicht studierfähig sind. Gerhard Wolf erklärt: „Die Defizite liegen vor allem in der Sprach-, Lese- und Schreibkompetenz, das haben alle Kollegen genannt. Damit gemeint sind Rechtschreibung, Syntax, Interpunktion, der Umgang mit den Tempora und der Wortschatz.“ Zudem verstehen viele Studenten die Aussage eines längeren Textes nicht mehr. Auch beim Schreiben und Sprechen können sie ihre eigenen Gedanken und Argumente nicht korrekt formulieren. Gerhard Wolf kritisiert, dass die Studierenden in Vorlesungen nicht einmal mehr mitschreiben.

Einige Studenten siedeln den Zweiten Weltkrieg im 19. Jahrhundert an

Laut Gerhard Wolf geht auch das Fachwissen der Studenten zurück, und die Allgemeinbildung ist bei manchen von ihnen einfach nur noch erschreckend. Der Altphilologe nennt ein Beispiel: „Einige glauben, der Zweite Weltkrieg habe im 19. Jahrhundert stattgefunden.“ Überrascht war Gerhard Wolf von der Heftigkeit der Klagen seiner Kollegen. Er hatte nicht damit gerechnet, dass dies in ganz Deutschland so ist, auch an den großen Universitäten. Seine eigene Erfahrung ist allerdings ähnlich.

Inzwischen fangen etwa 50 Prozent der Abiturienten eines Jahrgangs ein Studium an, wodurch sich die Studentenschaft verändert und das Leistungsniveau sinkt. Deshalb fordert Gerhard Wolf, dass die Beherrschung der Sprache in der Oberstufe nicht nur gelehrt, sondern auch geprüft wird. Er fügt hinzu: „Man sollte zudem bei den Geisteswissenschaften vorab deutsche Sprachtests einführen. Wer nicht studierfähig ist, könnte fehlendes Wissen in Vorkursen an der Universität nachholen, vor allem Lehramtsstudenten.“

Lehrer können nur noch maximal 50 Prozent der Fehler ihrer Schüler erkennen

Selbst angehende Lehrer sind laut Gerhard Wolf nicht unbedingt der deutschen Sprache mächtig. Da sich bei diesen Mängel im Laufe des Studiums nur leichte Verbesserungen einstellen, entlassen die Hochschulen Lehrer, die bei ihren Schülern nach einer Schätzung von Gerhard Wolf maximal die Hälfte aller Fehler überhaupt noch erkennen können. Das Phänomen dieses Kompetenzverlusts ist relativ neu. Die Studenten kommunizieren auf eine Art und Weise, die ein sorgfältiges Lesen und Schreiben nahezu unmöglich macht.

Damit meint Gerhard Wolf vor allem Kurznachrichten per SMS und Twitter. Die Studenten können sich kaum noch eine längere Zeit auf eine Sache konzentrieren. Gerhard Wolf sagt: „Ihr Manko ist ihnen zwar bewusst, trotzdem scheint sie unser Anspruch an Sorgfalt zu nerven.“ Dagegen müsste gegen die gravierenden Defizite dringend etwas unternommen werden. Und das nicht nur in den Geisteswissenschaften, sondern auch in den Naturwissenschaften. Die Kollegen von Gerhard Wolf klagen, dass Ingenieurstudenten ohne Taschenrechner nicht mehr rechnen, Architekten nicht mehr zeichnen und Mediziner keinen Arztbericht mehr formulieren könnten. Quelle: Der Spiegel

Von Hans Klumbies

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