Aldo Sohm und Christine Muhlke erklären in dem Buch „Einfach Wein“ unter anderem wie man Wein schmeckt – Tipp: Es fängt nicht mit der Zunge an –, einkauft, bestellt, serviert und lagert. Aldo Sohm hat Wein auf vielen Ebenen zu seinen Lebensinhalt gemacht: „Fünf Tage pro Woche, mittags und abends, beobachte ich, wie Menschen ihm begegnen und ihn erleben – als Genießer oder Abenteurer, als Statustrinker oder Kenner.“ Für Aldo Sohm persönlich bedeutet Wein Lebensfreude. Seine besondere Gabe ist, Menschen zusammenzubringen. Er regt Unterhaltung an wie nichts sonst. Er setzt Dinge in Gang und bezieht alles mit ein, ob man nun mit Freunden eine Flasche Champagner öffnet oder für sich alleine ein Glas an der Bar trinkt. Der Österreicher Aldo Sohm ist einer der renommiertesten Sommeliers der Welt, eine Legende seiner Branche. Christine Muhlke ist Redakteurin des Feinschmecker-Magazins „Bon Appétit“.
Mit einem Glas Wein steigt man schnell in eine Unterhaltung an
Nach Aldo Sohms Erfahrung ist es fast sicher, dass man mit einem Glas Wein sehr schnell in eine Unterhaltung einsteigt. Heutzutage, da viele Menschen meist mit ihrem Smartphone beschäftigt sind, gewinnen solche Verbindungen immer mehr an Bedeutung. Es gibt auch eine kulturelle Komponente des Weins, die Aldo Sohm faszinierend findet: „Er weckt Erinnerungen. Immer, wenn ich das Glück habe, eine sehr alte Flasche zu öffnen, nehme ich mir einen Moment und schaue auf dem Smartphone nach, was zum Beispiel 1961 passiert ist, als dieser Cheval Blanc gelesen wurde.“
Bei manchen Jahrgängen bekommt man Gänsehaut. Aldo Sohm hat einmal einen Wein von 1945 probiert und sich vorgestellt, wie schwierig es gewesen sein muss, ihn herzustellen und vor plündernden Soldaten zu verstecken. In Österreich gibt es wegen der deutschen und russischen Soldaten kaum noch Flaschen, die aus der Zeit vor 1950 stammen. Wein ist vielleicht nur eine Flüssigkeit, aber für Aldo Sohm ist er Geschichte in der Flasche. Zu Hause trinkt Aldo Sohm ganz nach Stimmung.
Aldo Sohm lagert rund 500 Flaschen in seinem Weinkeller
Aldo Sohm wählt den Wein also danach aus, wie er sich gerade fühlt. An den meisten Abenden nach der Arbeit trinkt er noch ein Bier und geht dann schlafen. Die Sonntage aber sind dem Wein vorbehalten. Aldo Sohm lagert rund 500 Flaschen bei sich im Keller und weitere in einem speziellen Weinlager. Unter anderem spielen Temperatur und Luftfeuchtigkeit eine große Rolle bei der Entscheidung, was Aldo Sohm trinken möchte. Manchmal ist er neugierig und möchte etwas Neues ausprobieren.
Wenn die Flasche nicht passt, bewahrt Aldo Sohm sie für den nächsten Tag auf oder verwendet sie zum Kochen. Er ärgert sich nicht, er lernt bestmöglich darauf und macht weiter. An Sonntagen geht er auch gerne in einer Gruppe bei SriPraPhai essen, einem fantastischen und unprätentiösen Thai-Restaurant, in das man eigene Flaschen mitbringen darf. Es kann eine Gruppe von Sommeliers sein, bei der jeder eine oder drei Flaschen mitbringt, über die sie stundenlang diskutieren. Quelle: „Einfach Wein“ von Aldo Sohm mit Christiane Muhlke
Von Hans Klumbies
