Die Angebote für das Erfolgsprojekt Kind sind grenzenlos

Neben Englisch lernen in der Schweiz in Privatschulen immer mehr Kinder schon im frühsten Alter Chinesisch. Denn es ist wissenschaftlich erwiesen, dass junge Kids eine Zweitsprache erstaunlich leicht aufnehmen. Doch die Forscher haben auch die klare Erkenntnis gewonnen, dass der Effekt solcher Anfangserfolge nicht anhält, wenn die Kinder die Sprache nicht in mindestens vierzig Prozent ihrer Zeit sprechen. Im Klartext heißt das: Es schadet nichts, bringt aber auch nichts. Dennoch glauben viele Eltern an die Theorie vom frühen Erlernen einer Fremdsprache. Während Chinesisch noch als exotisch gilt, steigt die Nachfrage nach Englisch für die Kleinsten seit Jahren. Edith Tribelhorn, Geschäftsführerin des Verbands Kindertagesstätten der Schweiz, erklärt: „Wir beobachten ganz klar einen Trend zu zweisprachigen Krippen.“ In der Stadt Zürich pflegen beispielsweise 22 der 268 Krippen ein Konzept mit Englisch und Deutsch.

Eltern investierten hohe Summen in die Entwicklung ihrer Kinder

Billig sind die Krippenplätze nicht. So kostet zum Beispiel ein Babyplatz  in der stark expandierenden Globegarden-Krippe in Zürich knapp 1.000 Euro – für zwei Tage die Woche. Fördern, anspornen, dem Kind möglichst viel Bildung mit auf den Weg zu geben, dieser Leitgedanke gewinnt mehr und mehr die Oberhand, vor allem im Mittelstand und in der Oberschicht. Die Erziehungswissenschaftlerin Margrit Stamm erläutert: „Die Eltern investieren heute schon sehr früh enorme Beträge in die Entwicklung ihrer Kinder.“

Laut Margrit Stamm sind offenbar vor allem Mütter motiviert, Fördermaßnahmen für ihre Kinder zu verantworten und den damit verbundenen Aufwand zu leisten. Margrit Stamm stellt fest: „In gewissen Schichten herrscht eine wahre Bildungspanik.“ Diese Erregung, die manchmal in Furcht umschlägt, ernährt eine ganze Industrie: Die Angebote für das Erfolgsprojekt sind schier grenzenlos, die Nachfrage auch. Von sechs bis acht Milliarden Euro belaufen sich die jährlichen Ausgaben für Kinder und Jugendliche in der Schweiz gemäß Expertenschätzungen.

In der Schweiz werden 90.000 Kinder in Privatschulen unterrichtet

Besonders gute Geschäfte machen Privatschulen in der Schweiz. In der Schweiz gibt es rund 600 solcher schicken und teuren Institute. Sie bieten neben Tagesstrukturen, hauseigenen Fahrdiensten, Zweisprachigkeit das gute Gefühl unter seinesgleichen zu sein. Das Schuldgeld von einigen zehntausend Euro wirkt als Filter. Markus Fischer, Generalsekretär des Verbands Schweizerischer Privatschulen, schätzt, dass rund 90.000 Kinder und Jugendliche in der Schweiz in Privatschulen unterrichtet werden.

Eine lukrative Einnahmequelle für die privaten Schulanbieter sind auch die Nachhilfestunden. Rund jeder dritte Schüler hat in den beiden letzten Schuljahren mindestens einmal Nachhilfeunterricht genommen, zwei Drittel besuchen regelmäßig Nachhilfestunden. Ökonomie-Professor Ernst Fehr warnt vor einer Überforderung der Kinder. Es kann sich sehr negativ auf den Nachwuchs auswirken, wenn Eltern ihr Kind mit Bildung überfrachten und ihm so den Freiraum für die Eigenentwicklung nehmen.

Von Hans Klumbies 

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