Frauen bekommen heute viel weniger Kinder als in der Vergangenheit

Viele Menschen sind besorgt, dass die Weltbevölkerung noch immer weiter schnell wächst, dass es zu einem exponentiellen Bevölkerungswachstum kommt, das außer Kontrolle gerät. Hannah Ritchie erhebt Einspruch: „Das stimmt nicht. Die Wachstumsrate der Weltbevölkerung, also die Veränderung von einem Jahr zum nächsten, hat ihren Höhepunkt schon vor langer Zeit erreicht. In den 1960er-Jahren stieg sie um mehr als 2 Prozent jährlich. Doch seitdem hat sich die Rate mehr als halbiert, auf 0,8 Prozent im Jahr 2022.“ Für ein exponentielles Bevölkerungswachstum müsste die Wachstumsrate bi 2 Prozent jährlich bleiben. Der Rückgang ist dadurch bedingt, dass Frauen viel weniger Kinder bekommen als in der Vergangenheit. Während des größten Teils der Menschheitsgeschichte war es nicht ungewöhnlich, fünf Kinder oder mehr zu haben. Dr. Hannah Ritchie ist Senior Researcher im Programm für globale Entwicklung an der Universität Oxford.

Laut Statistiken der UN gab es 2017 die meisten Kinder auf der Welt

Das führte jedoch nicht zu einem schnellen Bevölkerungswachstum, da viele Kinder, wie man gesehen hat, früh starben. Noch in den 1950er- und 60er-Jahren lag der weltweite Durchschnitt mit fünf Kinder pro Frau ähnlich hoch. Hannah Ritchie ergänzt: „Glücklicherweise überlebten jetzt jedoch viel mehr Kinder, weshalb die Bevölkerung rasch anstieg. Seither ist die Fertilitätsrate um mehr als die Hälfte zurückgegangen und liegt jetzt bei etwas mehr als zwei Kinder pro Frau.“

Den Höchststand – peak child – haben wir also bereits überschritten. Laut Statistiken der UN gab es 2017 die meisten Kinder auf der Welt, seitdem sinkt ihre Anzahl. Vielleicht wird es nie mehr so viele Kinder geben wie im Jahr 2017. Hannah Ritchie fügt hinzu: „Der Höhepunkt der Weltbevölkerung wird erreicht sein, wenn all diese Kinder alt sind. Diesen Zeitpunkt erreichen wir nach UN-Schätzungen in den 2080er-Jahren, dann werden zehn bis elf Milliarden Menschen auf der Welt leben.“

Seit 2017 schrumpft die Weltbevölkerung

Von da an geht man von einer schrumpfenden Weltbevölkerung aus. Das drastische Wachstum liegt also hinter uns, wir haben es nicht mit einer unkontrollierten „Bevölkerungsexplosion“ zu tun. Hannah Ritchie erklärt: „Doch manchen reicht das noch nicht, sie fordern, die Anzahl von Menschen auf der Welt aktiv zu verringern. Paul R. Ehrlich schrieb in „Die Bevölkerungsbombe“, die optimale Weltbevölkerung liege bei etwa einer Milliarde. Und das findet er auch heute noch.“

Die Sache ist nur – mal angenommen, wir akzeptieren für einen Moment, dass dies die ideale Anzahl von Leuten sein sollte – was Hannah Ritchie nicht tut –, dann ist es immer noch unmöglich, die Bevölkerung so schnell zu reduzieren, dass es etwas an unseren Umweltproblemen ändern würde. Wer etwas anderes behauptet, hat nicht verstanden, wie Demografie funktioniert. Um auch nur in die Nähe von einer, zwei oder drei Milliarden Menschen zu kommen, müssten wir Milliarden töten oder generell verhindern, dass Kinder in die Welt gesetzt werden. Quelle: „Hoffnung für Verzweifelte“ von Hannah Ritchie

Von Hans Klumbies