Formen der Realitätsverweigerung erlebt man täglich

„Das Richtige wissen und es nicht tun ist Mangel an Mut“, soll Konfuzius gesagt haben. Milde Formen der Realitätsverweigerung erleben wir täglich. Stefan Klein nennt Beispiele: „Hier eine Bekannte, die ihren aufreibenden und dabei unbefriedigenden Job schon seit Jahren erträgt, obwohl es ihr an besseren Alternativen nicht mangelt, dort der Freund, der sich in seiner Beziehung demütigen lässt, weil er immer noch hofft, dass irgendwann die alten Tage des Verliebtseins zurückkehren könnten.“ Und wer hat sich selbst noch nicht dabei ertappt, dass man bestens begründete Empfehlungen, sein Leben zu ändern, in den Wind schlägt? Man weiß beispielsweise ganz genau, was geschieht, wenn man nicht endlich beginnt, sich mehr zu bewegen oder weniger Alkohol zu konsumieren. Stefan Klein zählt zu den erfolgreichsten Wissenschaftsautoren der deutschen Sprache. Er studierte Physik und analytische Philosophie in München, Grenoble und Freiburg.

Die meisten Vorhaben zur Veränderung sind zum Scheitern verurteilt

Man fasst einen guten Vorsatz, versucht es zaghaft und kehrt nach kurzer Zeit zu den alten Gewohnheiten zurück. Und dann beschwichtigt man sich, so schlimm wird es schon nicht werden. Stefan Klein weiß: „Noch stärker als Einzelne neigen Menschen in Gruppen dazu, sich der Wirklichkeit zu verschließen. Jeder, der eine Organisation von innen erlebt hat, kann davon berichten.“ Eine der schwierigsten Aufgaben jedes Unternehmens, jeder öffentlichen Einrichtung und jedes Sportvereins ist es, sich der Zeit anzupassen.

Eine ganze Industrie von Unternehmensberatungen für „Chance Management“ müht sich, unwilligen Mitarbeitern, Mitgliedern und Kunden neue Abläufe schmackhaft zu machen. Stefan Klein stellt fest: „Dabei könnte man sich die meisten Honorare für teure Berater sparen, denn sobald ein Projekt auch nur andeutet, bestehende Verhältnisse zu ändern, ist sein Scheitern fast sicher.“ Einer Umfrage unter Tausenden Topmanagern weltweit zufolge scheitern mehr als 70 Prozent aller Vorhaben, die auf Veränderung welcher Art auch immer angelegt sind.

Kein Wunder also, wie zwiespältig viele Menschen reagieren, wenn sie wahrnehmen, dass die Welt alles andere als still steht. Stefan Klein schreibt: „Wir ahnen: In den kommenden Jahren werden wir fast alles in Frage stellen müssen, was uns heute noch selbstverständlich erscheint. Wir erkennen: Die Klimakrise, den Aufstieg der künstlichen Intelligenz, das dramatische Altern unserer Gesellschaft und unser eigenes Altern meistern wir nur, wenn wir radikal neue Wege gehen.“

Das Überleben der Menschheit steht auf dem Spiel

Wir wissen: Eine Erde, auf der sich acht Milliarden Menschen des für uns heute selbstverständlichen Wohlstands erfreuen, kann es nicht geben. Wir fürchten: Unser Überleben steht auf dem Spiel. Stefan Klein fügt hinzu: „Denn wir sind umgeben von „Zeitbomben, deren Zünder auf weniger als 50 Jahre eingestellt sind“, wie es der amerikanische Evolutionsbiologe Jared Diamond ausgedrückt hat. Es ist keineswegs übertrieben, unsere Welt mit dem Vulkan von Montserrat zu vergleichen.“ Quelle: „Aufbruch“ von Stefan Klein

Wir wissen: Eine Erde, auf der sich acht Milliarden Menschen des für uns heute selbstverständlichen Wohlstands erfreuen, kann es nicht geben. Wir fürchten: Unser Überleben steht auf dem Spiel. Stefan Klein fügt hinzu: „Denn wir sind umgeben von „Zeitbomben, deren Zünder auf weniger als 50 Jahre eingestellt sind“, wie es der amerikanische Evolutionsbiologe Jared Diamond ausgedrückt hat. Es ist keineswegs übertrieben, unsere Welt mit dem Vulkan von Montserrat zu vergleichen.“ Quelle: „Aufbruch“ von Stefan Klein

Von Hans Klumbies