Der Hintergrund der Wirklichkeit ist geistiger Art

Der US-amerikanische Denker und Linguist Noam Chomsky weist darauf hin, dass die Menschheit mit dem Zusammenbruch des mechanistischen Weltbildes einen greifbaren Begriff der Materie verloren hat. Aus dem klassischen cartesischen Dualismus von Geist und Materie ist keinesfalls der Geist verschwunden, sondern die Materie. Fabian Scheidler ergänzt: „Das Rätsel vom „Gespenst in der Maschine“ hat sich aufgelöst, weil es die Maschine gar nicht gibt.“ Es habe, so Noam Chomsky, daher auch keinen Sinn mehr, vom „Leib-Seele-“ oder „Körper-Geist-Problem zu sprechen. Denn die Rede von physikalischen Körpern hat ihren einstigen Gehalt verloren. Der deutsche Physiker Hans-Peter Dürr formuliert dies so: „Der eigentliche Hintergrund der Wirklichkeit ist nicht materieller Art, sondern geistiger Art. Der Publizist Fabian Scheidler schreibt seit vielen Jahren über globale Gerechtigkeit.

Es gibt Grenzen der Erkenntnis

Hans-Peter Dürr fährt fort: „Dass dieses Informationsfeld zu Materie geronnen ist, gibt uns die Möglichkeit, es von außen zu sehen. Was wir sehen, ist die materielle Kruste des Geistes.“ Wenn man die alten Begriffe überhaupt noch benutzen will, so bleibt, je nach Geschmack, entweder „Geist“, der die Gestalt der Materie annehmen kann, oder potenziell denkfähige, erlebnisfähige Materie beziehungsweise Energie. Noam Chomsky argumentiert weiter, dass den Menschen bestimmte prinzipielle Grenzen ihres Erkenntnisvermögens eigen sind.

Die Rätsel um den Stoff, aus dem wir sind, markieren möglicherweise genau diese Grenzen. Fabian Scheidler stellt fest: „Während sich Rätsel durch Forschung im Prinzip lösen lassen, sind Mysterien für uns unlösbar.“ Vielen Forschern und Naturwissenschaftlern fällt es ausgesprochen schwer, die Möglichkeit solcher prinzipiellen Grenzen der Erkenntnis zu akzeptieren. Denn das widerspricht dem Bild des Menschen, der außerhalb der übrigen Schöpfung steht. Er durchdringt diese mit seinem Geist und seinen Werkzeugen und gebietet schließlich über sie wie ein allmächtiger Gott über seine Geschöpfe.

Die Entzauberung der Welt ist eine Mythologie

Eine Reise durch Jahrhunderte physikalischer und biologischer Forschung hat jedenfalls die Welt keineswegs, wie man immer wieder behauptete, ihrer Geheimnisse beraubt. Sondern sie ließ diese Geheimnisse immer schärfer hervortreten. Der Quantenphysiker und Nobelpreisträger Richard Feynman bemerkte dazu einmal: „Die Wissenschaft fügt dem aufregenden Mysterium einer Blume nur etwas hinzu. Sie fügt immer nur hinzu und nimmt nie etwas weg.“

Die „Entzauberung der Welt“ (Max Weber) ist nicht das Ergebnis wissenschaftlicher Forschung als solcher, sondern eine Mythologie. Sie verzerrt die Wissenschaft ideologisch, um das täuschende Bild einer total durchschaubaren und beherrschbaren Welt zu erschaffen. Fabian Scheidler erläutert: „Dieses Bild dient nicht zuletzt dazu, Menschen ihre Reduktion zu Zahnrädchen in einer globalen Wirtschaftsmaschinerie als naturgegeben und alternativlos zu verkaufen. […] Doch das menschliche Leben ist viel größer und rätselhafter, als uns die technokratische Ideologie glauben zu machen versucht.“ Quelle: „Der Stoff aus dem wir sind“ von Fabian Scheidler

Von Hans Klumbies

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