Erstmals existierten mehr Maschinen im Netz als Bewohner der Erde

Rechnende Maschinen können heutzutage nahezu jede Aufgabe übernehmen. Stefan Klein nennt Beispiele: „Computer lenken Autos, handeln Aktien, vergeben Kredite, verkuppeln Singles auf Dating-Portalen. Sie steuern Flugzeuge über den Ozean, versorgen Menschen mit Nachrichten und Unterhaltung, lassen Industrieroboter Waren herstellen, analysieren den Kosmos und die menschlichen Gene.“ Hunderte Milliarden elektronischer Prozessoren verrichten heute weltweit ihre Dienste. Wie viele es genau sind, weiß niemand, so schnell wächst ihre Zahl. Eine vorsichtige Schätzung liefert die Menge der im Internet vergebenen Adressen. Im Jahr 1990 waren im weltweiten Netz ein paar Tausend, im Jahr 2000 an die Hundert Millionen Geräte miteinander verknüpft. Zehn Jahre später waren die Menschen schon in der Unterzahl: Erstmals existierten mehr Maschinen im Netz als Bewohner der Erde. Stefan Klein zählt zu den erfolgreichsten Wissenschaftsautoren der deutschen Sprache. Er studierte Physik und analytische Philosophie in München, Grenoble und Freiburg.

Die Künstliche Intelligenz kann menschliches Denken ersetzen

Im Jahr 2020 entfielen auf jeden Menschen schon mehr als sechs Prozessoren, die über das weltweite Netz Daten austauschen. Stefan Klein ergänzt: „Und zu dieser Armee von inzwischen weit über 50 Milliarden Rechnern kommt ein Vielfaches an Prozessoren, die in Geräte wie elektronischen Kameras oder Waschmaschinen eingebaut sind.“ Die Allgegenwart der Computer setzte die vierte geistige Revolution in Gang. Sie verändert von Grund auf, wie Menschen arbeiten und zusammenleben, wie sie sich unterhalten und ihre Freiheit verbringen.

Vor allem aber ändert sich unser Selbstverständnis. Denn eine Vision steht im Raum – die Vermutung, dass unser Denken mit derselben Logik zu beschreiben sein könnte wie die Funktionen eines Computers. Stefan Klein erklärt: „Träfe diese Annahme zu, so fände sich zu jedem Vorgang in unseren Köpfen ein entsprechender Prozess, den eine Maschine ausführen kann.“ Heute bezeichnet man Maschinen, die menschliches Denken ersetzen oder sogar übertreffen können, mit dem etwas unscharfen Begriff „künstlicher Intelligenz“.

Supercomputer haben die Rechenleistung menschlicher Gehirne übertroffen

Im Jahr 1965 prophezeite der englische Mathematiker Irving John Good eine „explosionsartige Entwicklung der Intelligenz“, die allerdings nicht mehr unsere eigene wäre. Ultraintelligente Maschinen könnten das Ruder übernehmen. Diese Maschine wäre also die letzte Erfindung, die der Mensch zu machen hat. Stefan Klein fügt hinzu: „Mit dem Auftritt solcher Superintelligenz – inzwischen hat sich für dieses Ergebnis die Bezeichnung „Singularität“ durchgesetzt – würde das schöpferische Denken der Menschen unerheblich, wäre die Geschichte der Menschheit beendet.“

Maschinen, die sich selbst weiterentwickeln, lenken fortan die Welt. Sie erschienen dem Homo sapiens wie Götter, deren Treiben er nicht mehr nachvollziehen vermag. Große Maschinen haben inzwischen die Rechenleistung menschlicher Gehirne erreicht und übertroffen. Stefan Klein weiß: „Im Jahr 2018 hat ein Supercomputer, der im staatliche Oak Ridge Laboratory im US-Bundesstaat aufgestellt ist, erstmals zweifelsfrei die Grenze durchbrochen.“ Quelle: „Wie wir die Welt verändern“ von Stefan Klein

Von Hans Klumbies