Erschöpfung ist ein Warnsignal

Anna Katherina Schaffner schreibt: „Wenn wir vor lauter Erschöpfung immer langsamer und schwächer werden, ist der erste Schritt zu akzeptieren, dass es so nicht weitergeht. Erschöpfung ist ein Warnsignal, egal ob körperlich oder mental. Sie fordert uns auf, innezuhalten und Ruhe zu suchen.“ Wer vollkommen ausgebrannt ist, kann sich nicht mehr konzentrieren und fühlt sich außerstande, auch nur die einfachsten Arbeitsaufgaben zu erledigen. Der Körper sagt nein und weigert sich zu funktionieren, solange die tieferliegenden Themen nicht angegangen werden. Durch den Zusammenbruch versucht er uns vor weiterem Schaden zu schützen und uns etwas mitzuteilen. Aber was genau will uns diese tiefgreifende Erschöpfung sagen? Gut möglich, dass es unangenehme Wahrheiten sind. Anna Katherina Schaffner ist Kulturhistorikerin und zertifizierter Burnout-Coach.

Viele Menschen können ihre Aufgaben nicht mehr bewältigen

Wenn wir unser Bestes und noch mehr in die Arbeit gesteckt haben, auf die unsere ganze Ausbildung abgezielt hat und die das Zentrum unseres leidenschaftlichen Strebens war, kann die Vorstellung, in Zukunft etwas anderes tun zu müssen, äußerst bedrohlich wirken. Anna Katherina Schaffner ergänzt: „Vielleicht fällt es uns auch schwer, überhaupt ein Bild davon zu entwickeln, wie wir anders als bisher leben und arbeiten könnten. Wir scheuen und vor der mühseligen Aufgabe, uns stärker persönlich abzugrenzen, denn draus könnten sich Konflikte ergeben, auf die wir weder Lust habe noch die Energie dafür.“

Vielleicht sind wir nicht einmal bereit zuzugeben, dass wir mit den vielen Anforderungen an unsere Zeit und Aufmerksamkeit einfach nicht mehr zurechtkommen, und mühen uns stattdessen ab, doch irgendwie weiterzumachen, egal um welchen Preis. Anna Katherina Schaffner erklärt: „Dann ist es unter Umständen nötig, unsere Bewältigungsstrategien nüchtern und ohne Scheu unter die Lupe zu nehmen, denn womöglich verschlimmern sie unsere Probleme noch.“

In unserer Gewalt sind nur unsere eigenen Werke

Der Philosoph Bayo Akomolafe fragt: „Was, wenn die Art, wie wir auf eine Krise antworten, selbst Teil der Krise ist?“ Um mit dem chronischen Stress in unserem Leben zurechtzukommen, verlassen sich manche zu sehr auf Alkohol, Arbeiten, Shoppen oder Frustessen. Anna Katherina Schaffner fügt hinzu: „Andere neigen zum Prokrastinieren oder Vermeiden oder werden bitter und feindselig.“ Egal was uns unsere Erschöpfung mitzuteilen versucht, wir können unsere Vitalität nur wiederfinden, wenn wir zunächst einmal akzeptieren, dass es ein Problem gibt.

Dann gilt es, genau hinzuschauen und zu klären, welche Bereiche in unserer Kontrolle liegen und welche nicht, damit wir unsere Energie gezielt auf das richten können, was wir beeinflussen können. Der stoische Philosoph Epiktet fast das bestens zusammen: „In unserer Gewalt sind: Meinung, Trieb, Begierde, Widerwille: kurz: Alles, was unser eigen Werk ist. Nicht in unserer Gewalt sind: Leib, Vermögen, Ansehen, Ämter, kurz: Alles, was nicht unser eigenes Werk ist.“ Quelle: „Erschöpft“ von Anna Katherina Schaffner

Von Hans Klumbies