Weil aus Verheißung drohende Vernichtung geworden ist, suchen die Fortschrittsgläubigen nach Alternativen zur schmutzigen Energie. Alain Finkielkraut nennt ein Beispiel: „Daher rührt ihre Begeisterung für Windräder, die eine Verlangsamung der Klimaerwärmung ermöglichen, indem sie die Emission von Treibhausgasen begrenzen.“ Und die Zahlen geben ihnen recht. Aber Zahlen sind nicht alles. Nicht alles ist quantifizierbar: nicht der Anblick der Dinge, wie sie vor einer mathematischen Umsetzung aussehen, nicht die Wirklichkeit, so wie sie in den Augen erscheint. Eine zur Ökologie bekehrte Wissenschaft kann sehr hilfreich sein; damit aber die Erde bewohnbar bleibt, darf man der Wissenschaft nicht das Monopol der Wahrheit überlassen. Renaud Camus schreibt: „Überall schießen die Windräder wie Pilze aus dem Boden.“ Alain Finkielkraut gilt als einer der einflussreichsten französischen Intellektuellen.
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Passende Bücher bei Amazon findenWindräder sind ein Gegenpol zur ländlichen Idylle
Renaud Camus fährt fort: „Nichts ist für den Menschen trostloser als diese bleichen Vogelmörder. Sie zeigen ihm, dass er eingekesselt ist, dass es keinen Ausweg mehr gibt, nichts Abwesendes mehr, keine Transparenz, keine Höhen, auf denen die Götter gegenwärtiger sind. Und es ist seine eigene Gattung, die ihn in diesen Kerker zwingt. […] Die Urheber dieses Grauens behaupten, dass sie diese Gitterstäbe nur errichten, um den Planeten zu retten, wenn man ihn dadurch in ein düsteres Verlies verwandelt.“
Und Renaud Camus fragt auch: „Warum will man gegen die Erderwärmung kämpfen, wenn man dadurch eine infernalische Welt erschafft, industrialisiert bis in die entlegensten Winkel und bis aufs hohe Meer, eine Welt, in der die Seele hoffnungslos verloren ist?“ Alain Finkielkraut fügt hinzu: „Die Windräder, Äolsharfen der Moderne, haben nichts von den äolischen Winden an sich, nichts Göttliches, nichts Luftiges. Auch keine bukolische Schönheit, sondern die allseits um sich greifende Hässlichkeit, sie sind ein Gegenpol ländlicher Idylle.“
Der Urwald im Amazonasgebiet stirbt
Angesichts dieser dröhnenden Turbinen, dieser in Schlachtordnung aufgestellten Mastodonten, dieser Sinnbilder der Überwältigung des Menschen, die man als Windmühlen der Moderne ausgibt, müsste man Don Quichotte hellsichtig nennen – und die auf die realen Schäden der fossilen Energie fixierten Umweltschützer verblendet. Alain Finkielkraut erklärt: „Dabei wäre es ein Irrtum, sie der Schwarzmalerei zu bezichtigen. Wenn man sieht, wie die Bodenvernutzung rasant zunimmt, die Urwald im Amazonasgebiet stirbt, das Bevölkerungswachstum außer Kontrolle gerät, die Vorstädte sich in die Landschaft fressen, die industrielle Landwirtschaft vergewaltigt, dann ist das Erschrecken darüber nicht krankhaft.“
Ebenso besorgniserregend ist die Tatsache, dass die Gletscher schmelzen, der Meeresspiegel steigt und Dürren die Wüsten wachsen lassen. Alain Finkielkraut ergänzt: „Wer alles so untergehen sieht und dann Menschen diffamiert, die ein drohender Weltuntergang ängstigt, muss schon über den atemberaubenden Optimismus des Pangloss im „Candide“ verfügen.“ Was man amtlichen Umweltschützern dagegen vorwerfen kann, ist, dass sie mit ihren Maßnahmen die Verwüstung der Erde nicht verhindern, sondern noch verschlimmern.“ Quelle: „Vom Ende der Literatur“ von Alain Finkielkraut
Von Hans Klumbies
