Vertrauen in die Regierung setzt die Überzeugung voraus, das politische System sei fair und die Führungspersönlichkeiten würden nicht ausschließlich für sich selbst arbeiten. Nichts zerstört Vertrauen so sehr wie Heuchelei und die Diskrepanz zwischen den Worten und Taten von Politikern. Joseph Stiglitz ergänzt: „Schon lange vor Donald Trump schufen unsere Eliten und führenden Politiker – in beiden Parteien – die Voraussetzungen für Misstrauen, indem sie auf eine Politik setzten, die nur ihnen selbst zu nützen schien.“ Die eigentlichen Gewinner der Politik, für die sie sich in den 1980er- und 1990er-Jahren einsetzen, waren die Eliten: Die Behauptung, alle würden profitieren, war nichts al ein eigennütziges Märchen. Joseph Stiglitz war Professor für Volkswirtschaft in Yale, Princeton, Oxford und Stanford. Er wurde 2001 mit dem Nobelpreis für Wirtschaft ausgezeichnet.
Die Banker lehnten in der Finanzkrise 2008 jegliche Verantwortung ab
Auch die durch die Politik verursachte Große Rezession von 2008 haben dieselben Eliten ohne Einbußen überstanden. Joseph Stiglitz kritisiert: „Die Banker behielten ihre Boni und Arbeitsplätze, während Millionen Menschen ihre Häuser und zig Millionen ihre Arbeitsplätze verloren.“ Etwas war gründlich schief gelaufen, und es war nicht einfach nur höhere Gewalt, eine Flut, wie sie einmal in 1.000 Jahren auftritt. Aber obwohl fast täglich ein neues Fehlverhalten der Banker zum Vorschein kam, wurde praktisch niemand zur Verantwortung gezogen.
Vieles von dem, was erlaubt war, hätte eigentlich verboten sein müssen. Die Regierung wählte ein paar „demonstrative“ Fälle aus, eine keine chinesische Bank hier, einen mittleren Bankmanager dort. Joseph Stiglitz fügt hinzu: „Aber die Topmanager, die für die „Erfolge“ der Banken, ihre Milliarden von Dollar an Gewinnen, so großzügig belohnt worden waren, schienen immun zu sein. Sie rechneten sich die hohen Gewinne der Banken als ihr Verdienst an, während sie für deren „Sünden“ jegliche Verantwortung ablehnten.“
In Amerika herrscht eine enorme Ungleichheit an Gerechtigkeit
Die USA hatte ein System geschaffen, in dem die „Gerechtigkeitsungleichheit“ genauso groß zu sein scheint wie die Einkommens-, Vermögens- und Machtungleichheit. Kein Wunder, dass so viele Amerikaner wütend waren. Joseph Stiglitz stellt fest: „Allerdings hätte diese Wut in anderer Weise kanalisiert werden können. Sie hätte sich gegen jene richten können, die hauptsächlich an der bedrängten Lage der schwindenden Mittelschicht schuld waren.“ Dabei handelt es sich um diejenigen, die sich für eine unbeschränkte Globalisierung und Expansion der Finanzmärkte eingesetzt hatten.
Diese Profiteure des Welthandels lehnten gleichzeitig progressive Steuern, Transferprogramme und Hilfsmaßnahmen für Arbeitnehmer ab, die infolge der Globalisierung arbeitslos wurden oder Leidtragende der massiven Expansion und Deregulierung der Finanzmärkte. Joseph Stiglitz erklärt: „Warum die Wut schließlich diese Form annahm – einen Angriff auf Menschen wie etwa Einwanderer, deren Interessen sich mehr mit ihren eigenen deckten, wenn auch nicht zur Gänze – ist eine Frage, die zweifellos noch jahrelang diskutiert werden wird.“ Quelle: „Der Preis des Profits“ von Joseph Stiglitz
Von Hans Klumbies
