Eigeninteresse ist für alle die wichtigste Motivation

Ray Dalio schreibt: „Eigeninteresse ist zwar für die meisten Menschen, Organisationen und Regierungen die wichtigste Motivation, doch dabei kommt es in erster Linie darauf an, welches Eigeninteresse hier die größte Rolle spielt – das des Einzelnen, der Familie, des Stammes – also der Gruppe –, der Regionen, des Landes, des Imperiums, der Menschen, aller Lebewesen oder des Universums?“ Das wichtigste Eigeninteresse eines Menschen ist dasjenige, welches er nach Kräften schützt und woran er sein Verhalten ausrichtet. Sind beispielsweise Menschen bereit, für ihr Land zu sterben, so dürfte dieses Land vermutlich besser geschützt sein, als wenn das Eigeninteresse des Einzelnen wichtiger genommen wird, denn dann würden diese Einzelnen für ihr Land kaum ihr Lebens aufs Spiel setzen. Ray Dalio ist Gründer von Bridgewater Associates, dem weltgrößten Hedgefonds. Er gehört mit zu den einflussreichsten Menschen der Welt.

Zahlreiche Nationen schlossen sich zur Europäischen Union zusammen

Innerhalb eines Landes könnten die Stämme wichtiger sein als das Land, woraus sich eine ganz andere Dynamik ergäbe als andernfalls. Aus diesem Grund hält Ray Dalio diese Kraft für beachtenswert, vor allem in Konfliktsituationen. Die Geschichte beweist, dass sich die Gruppierungen, denen sich die Menschen anschließen und die ihnen am wichtigsten sind, weiterentwickeln. Einzelne und Familien finden sich zu Stämmen zusammen, mehrere Stämme bilden einen Einzelstaat, und aus mehreren solcher Bundesstaaten setzt sich schließlich ein Land zusammen.

Stehen mehrere Länder oder Staaten unter einheitlicher Kontrolle, dann entsteht ein Imperium wie zum Beispiel das britische Empire. Ray Dalio fügt hinzu: „Manchmal verschmelzen kleinere Gruppierungen zu größeren, und im Zuge dessen verschieben sich Grenzen. So bildete sich beispielsweise in den letzten 150 Jahren in Europa aus einzelnen Hoheitsgebieten Nationen, und zahlreiche dieser Nationen schlossen sich zur Europäischen Union (EU) zusammen.“

Der Zusammenhalt in den Vereinigten Staaten scheint zu schwinden

Manchmal zerbrechen solche Gefüge auch zu kleineren Einheiten. Ray Dalio nennt Beispiele: „So löste sich beispielsweise die Sowjetunion in ihre Länderbestandteile auf, in manchen Länder im Nahen Osten zersplitterten in sich bekriegende Stämme.“ In den letzten Jahren ist die Welt nicht mehr noch globalistischer geworden, sondern wieder nationalistischer. Gleichzeitig scheint der Zusammenhalt in den Vereinigten Staaten zu schwinden, weil die Ansichten der Menschen über den richtigen Umgang miteinander zunehmend auseinanderdriften.

Diese Differenzen führen dazu, dass Menschen in solche Bundesstaaten umsiedeln, die ihren Präferenzen entsprechen, was diesen Staaten als Einzelelementen mehr Bedeutung verleiht denn als Teile eines einheitlichen Ganzen. Ray Dalio erläutert: „Es ist ebenso historisch belegt wie logisch, dass solche Veränderungen der innen- und außenpolitischen Ordnung in aller Regel mit Konflikten einhergehen, weil viel Uneinigkeit darüber herrscht, wie sie vonstattengehen sollten – und welche Rechte jeweils auf einzelstaatlicher oder nationaler Ebene bestehen.“ Quelle: „Weltordnung im Wandel“ von Ray Dalio

Von Hans Klumbies