Die Währungsunion ist für Dominik Geppert eine Fehlkonstruktion

Dominik Geppert vertritt in seinem Buch „Ein Europa, das es nicht gibt“ die These, dass der Euro nationale Ressentiments geweckt hat, die man längst überwunden glaubte, statt die Mitgliedsstaaten zu einen. Dominik Geppert beschreibt nicht nur die politischen Irrtümer und historischen Trugschlüsse, die mit der gemeinsamen Währung einhergingen, sondern skizziert auch Wege zu einer tragfähigen Ordnung der Europäischen Union. Der Autor weist darauf hin, dass momentan  noch der Konsens der traditionellen europäischen Eliten dafür sorgt, die überkommenen Formen der Integration um beinahe jeden Preis zu bewahren und auch an der Gemeinschaftswährung und ihrer jetzigen Zusammensetzung nicht zur rütteln. Aber zugleich erodieren die Fundamente, auf denen die Konstruktion ruht. Deshalb fordert Dominik Geppert: „Das Europa der Zukunft muss zur Einhaltung der Verträge zurückfinden. Die Einzelstaaten müssen in ihm als Träger von Demokratie, Recht und Sozialstaat weiter eine zentrale Rolle spielen.“ Dominik Geppert ist seit 2010 ordentlicher Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

Die nationalen Regierungen bestimmen verstärkt die Gestaltung der Politik in Europa

Es war der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl, der mit dem Euro den entscheidenden Durchbruch zu einem europäischen Bundesstaat schaffen wollte. Ein bloßes Wirtschaftseuropa entsprach nicht seinen Vorstellungen. Eine gemeinsame Währung sollte noch in den 1990er Jahren Wirklichkeit werden, aber eine umfassende Politische Union kam nicht zustande. Für Dominik Geppert ist es allerdings fraglich, ob ein solches Bündnis tatsächlich eine wirksame Stütze der Gemeinschaftswährung geworden wäre.

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Unter Bundeskanzlerin Angela Merkel haben sich laut Dominik Geppert die Abwendung von den supranationalen Institutionen und die Rückkehr zu einer von den nationalen Regierungen bestimmten Politikgestaltung verstärkt. Vor allem wegen der europäischen Schuldenkrise verschoben sich die Gewichte weg von Brüssel und Straßburg zurück in die nationalen Hauptstädte und voran auf die globalen Märkte. Doch die politischen Debatten blieben national geprägt, und die wichtigen politischen Entscheidungen fielen in der Schuldenkrise mehr denn je auf den Gipfeltreffen des Europäischen Rats.

Das Europa nach der Krise wird ein Kontinent der Vaterländer bleiben

Die Fehlkonstruktion der Europäischen Währungsunion hängt für Dominik Geppert vor allem damit zusammen, dass die Gesellschaften in der Eurozone weder in ihrem Konsumverhalten, noch in den vorherrschenden Einstellungen zur Inflation oder zur Arbeits-, Zahlungs- und Steuermoral übereinstimmten. Dominik Geppert erklärt: „Dass diese Differenzen ignoriert oder vernachlässigt wurden, war und ist der entscheidende Konstruktionsfehler der Europäischen Währungsunion. Alle weiteren Schwierigkeiten folgten daraus.“

Das Europa nach der Krise wird, wenn es Bestand haben soll, ein Europa der Vaterländer bleiben. Die einzelnen Nationen werden durch Handelsbeziehungen, gemeinsame Interessen und vielfältige gesellschaftliche Verbindungen eng miteinander verbunden sein. Die Mitgliedsstaaten werden in der Europäischen Gemeinschaft weiter ihre eigenen Ziele verfolgen, die teilweise miteinander in Einklang stehen, aber nicht deckungsgleich sind. Dominik Geppert zieht folgendes Fazit: „Wenn wir einseitig die europäische Solidarität beschwören und nationale Traditionen, Denkweisen und Interessen verleugnen, sind wir auf ein Europa fixiert, das es nicht gibt.“

Ein Europa, das es nicht gibt
Die fatale Sprengkraft des Euro
Dominik Geppert
Verlag: Europa
Gebundene Ausgabe: 189 Seiten, Auflage: 2013
ISBN: 978-3-944305-18-9, 16,99 Euro
Von Hans Klumbies